Deerhoof - Deerhoof Vs Evil - Cover
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Deerhoof Deerhoof Vs Evil


  • Label: Polyvinyl/CARGO
  • Laufzeit: 33 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischendurch fragt man sich schon, was das soll. Funkgitarren eröffnen in einem wüsten Durcheinander, das Schlagzeug trabt völlig aus dem Schritt daneben her, Stopp! Dann läuft „Qui Dorm, Només Somia“ in eine völlig andere Richtung, schräg angeschlagene Gitarren begleiten Sängerin Satomi Matsuzaki, irgendwas klimpert im Hintergrund. Am Ende wird es völlig wirr, Gitarren ächzen und krächzen. Das darauf nicht eingestellte Gehirn vollführt daraufhin erst mal eine Einhundertundachtziggraddrehung. Wer die halbe Stunde „Deerhoof vs. Evil” durchhalten will, braucht viel guten Willen und Ausdauer.

„Behold a Marvel in the Darkness“ beginnt mit Akustikgitarre und bleibt eigentlich über die komplette Länge nachvollziehbar, doch schon mit „The Merry Barracks“ stürzen sich Deerhoof ins nächste Abenteuer. Ist das nun überbordende Kreativität oder Konzeptlosigkeit? Das mag nun jede/r für sich entscheiden müssen, aber einfältig ist das Quartett allemal. Wenn nach einer Viertelstunde „Super Duper Rescue Heads!“ angestimmt wird hofft man schon auf die Rettung: Der Song eröffnet mit einer wundervoll glitzernden Keyboard-Fontäne, doch wenn Matsuzaki anfängt zu singen, ist schon wieder alles dahin. Spätestens nach diesem Song wird es zur traurigen Gewissheit: Hier entsteht nicht viel, was man als vernünftigen „Song“ bezeichnen könnte. Vieles wirkt runtergespult, anderes kopflos.

Deerhoof drücken auf „Deerhoof vs. Evil“ verschrobenen Indie-Rock, Noise und klimpernde Elektro-Einlagen durch den Musikwolf und würzen den Brei dann mit einer Portion nebulösem Songwriting. Was dabei raus kommt, soll irgendwie Avantgarde sein, dürfte aber wohl auch experimentell geschulten Ohren quer in den Gehörgängen liegen. Das erinnert manchmal an die Andersartigkeit von Animal Collective, aber niemals an deren Klasse. Deerhoof umgehen jegliche Songstrukturen, jede Idee wird nur für den Moment ausgekostet, Melodien gleich mit dem nächsten Beatwechsel im Keim erstickt. Sie machen das mit Absicht, sie machen das aus dem puren Spaß daran, ihre Hörerschaft zu verwirren. Einige mögen das vielleicht Kunst nennen, für mich ist das aber ausgemachter Blödsinn.

Anspieltipps:

  • Behold a Marvel in the Darkness
  • Super Duper Rescue Heads!
  • I Did Crimes for You

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