Teitur - Let The Dog Drive Home - Cover
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Teitur Let The Dog Drive Home


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gäbe es das Album „Poetry & Aeroplanes“ nicht, dann würde sich wohl kaum jemand hier in Deutschland oder dem Rest der Welt nach tEitUR (so die Schreibart seines Namens auf dem Cover) umdrehen, geschweige denn die Mühe machen, sich das neue Album „Let The Dog Drive Home“ zu Gemüte zu führen. Mit seinem Drittwerk „Poetry & Aeroplanes“ schaffte es der Mann von den Färöer Inseln mit Sting und Paul Simon verglichen zu werden. Was der Beginn einer beispiellosen Musikerkarriere hätte werden können, entpuppte sich als eine Art One-Album-Wonder. Das hat allerdings weniger mit der Qualität der Musik zu tun, als mit der Einstellung des romantischen Troubadours, die Lieder überwiegend in seiner Heimatsprache zu singen. Dänische Grammys hat der Mann schon zwei an der Zahl im Schrank stehen, aber außerhalb seiner Heimat hat man seit 2006 und „I Belong To Jesus“ nicht allzu viel von dem inzwischen 34-Jährigen gehört.

Jetzt kehrt der Mann mit der samtenen Stimme zurück und wirkt poppiger, als sich dass die meisten erträumt hätten. Elektronische Spielereien im Opener „Feel Good“, die an One Man Republic erinnern und einfache Strukturen, die auf den ersten Blick geradezu harmlos wirken. Auf den zweiten Blick merkt man jedoch auch, dass es das Wort liebreizend auch ganz gut trifft. Zwar driftet „Feel Good“ tatsächlich in einen Kitschbrei ab, den man bestenfalls durchschnittlich nennen möchte und auch „God, I have So Many Things To Tell You“ startet mit ungewöhnlich künstlichem Klanggewand, doch schon hier lässt sich Freigeist erahnen. Chor, Elektronika-Einschübe in typischer Indie-Manier und ein guter Chorus sorgen für einen ersten guten Eindruck. Spätestens jetzt sollten alle Freunde von lieblicher Songwritermusik fest im Sattel sitzen. Denn so wenig dieser Anfang berührte, bombardiert der Skandinavier den Hörer nun mit fragilen Arrangements.

„Waverly Place“ macht den Auftakt, welches die erste Hälfte wie eine samtene Ballade aus den Boxen strömt und sich zwar Innovation aber keinesfalls Gefühl entbehrt. Dann gibt es einen Bruch, der sanft Kraft ausstrahlt und wie ein Verlangen scheint, bevor die Säuselnummer wieder die Oberhand gewinnt. Das ist zugegebenermaßen und unumstößlich kitschig, aber gleichzeitig auch richtig schöne, poppige Singer/Songwriter-Musik. Die wahrscheinlich schönste Geschichte des Albums offenbart sich dann in „Freight Train“, wenn tEitUR vom Werdegang eines Jungen singt, der in seinem Leben nie die berühmten Fehler macht und stattdessen nach einem festen Masterplan lebt. Die Moral ist, dass er seinem Sohn wünscht, dass er all diese Fehler machen soll. Dass er Dinge ausprobieren soll. Diese Geschichte wird mit solch einer Präzision erzählt, dass man nur bei begrenzten Englischkenntnissen unberührt bleiben kann. Für solche Perlen hört man Songwritermusik. Hier zählt noch der Inhalt und nicht die bloße Verpackung.

Das Album ist insgesamt ein wenig ruhig und glatt geraten. Nur selten zeigt tEitUR so viel Variation in seiner Stimme, wie in „Freight Train“. Leider versucht er viel mit ungewöhnlichen Lösungen in Sachen Instrumentalisierung auszubügeln, die letzten Endes aber nicht annähernd so interessant wie Sufjan Stevens Ausflüge in „The Age Of Adz“ wirken. Die Flöten in „You Never Leave LA“ wären zum Beispiel durch jedes beliebige Instrument zu ersetzen, ohne dass die Stimmung des Liedes darunter leiden würde. Natürlich gibt es auch einige, sehr gelungene sphärische Glockenspiele und Soundtüfteleien anderer Art, wobei die Akustikgitarre stets das Skelett der Lieder bildet. Insgesamt gibt es für jeden schönen Tonausblick wie „Stormy Weather“ auch ein sehr konventionelles Lied, das weder innovativ, noch wirklich berührend wirkt.

Wer damit leben kann, dass die Hälfte des Albums aus recht linearen Popnummern besteht, die in unbeirrbarer Manier und ohne Überraschungen oder große Emotionen ihr Ende suchen, der wird mit diesem Album zufrieden sein. Aber kann das tEitURs Anspruch sein? Natürlich nicht und es gibt auch genug Beweise, die tEitURs Klasse unterstreichen. Liebevolle Geschichten wie „Freight Train“ und „All I Remember From Last Night Is You“, sowie „Very Careless People“ und „Waverly Place“ als Vertreter skandinavischer Soundscapes bzw. Balladen zeigen Potenzial, das Frauenherzen zum Schmelzen bringen dürfte. Wenn tEitUr jetzt noch einen Weg findet, nicht in einem Moment nach Jazz, dann nach Zucker-Pop, dann nach Songwriter zu klingen, sondern alles harmonisch zu verbinden, ist alles wieder gut. So wirkt das Album wie ein Stückwerk, bei welchem besonders die stringenten Pop-Tracks unauffällig und farblos wirken (mit Ausnahme des angenehm schnellen „Let The Dog Drive Home“). So sehr man das Album lieben möchte, möchte man es hassen. Der Mann macht es einem nicht einfach, weder mit seiner Musik noch der Schreibweise des Namens.

Anspieltipps:

  • Freight Train
  • Very Careless People
  • All I Remember Is You

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