Abraham - An Eye On The Universe - Cover
Große Ansicht

Abraham An Eye On The Universe


  • Label: Pelagic Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

So reserviert und ordentlich unsere Freunde in der Schweiz uns oft auch vorkommen, mangelt es den Eidgenossen nicht an verrückten Freigeistern. Warum soll es keinen Krachorgien aus dem Alpenland geben? Diese Frage stellten sich Abraham aus Lausanne wohl gar nicht. Sie machten einfach Musik und wollten beweisen, dass es kein Monopol für Genres gibt. Jedes Land kann jeden Musikstil zelebrieren. So ungefähr muss das Selbstverständnis des Fünfers sein, den anders ist der auditive Schlag ins Gesicht von der ersten Sekunde an nicht zu erklären.

Gerade mal acht Lieder mag der nichts ahnende Hörer denken, bis „Coyote Versus Machete“ einen tief in ein raues Meer reißt, welches pechschwarz ist und den Zuhörer unerbittlich in den Abgrund zieht. Natürlich gibt es die für das Genre typischen, sphärischen und melodiösen Ausreißer, doch selbst diese wirken wie ein Ergeben der mitreißenden Fluten. Röhrende Schreie des Shouters und verzweifelte Hilferufer aus dem Hintergrund. Eine Mischung aus einer Formel und einem Klagelied schüttet sich über dem Hörer aus. Ja, jetzt regnet es also auch noch auf diesen Ozean der Hoffnungslosigkeit. Sonnenscheinkinder sind hier definitiv schlecht aufgehoben. Düstere Gestalten und Freunde kraftvoller und ausladender Metal-Arrangements lecken sich jedoch bereits die Lippen.

Menschen mit schwachen Nerven und ohne Bedürfnis nach Songs, die regelmäßig an der Fünf-Minuten-Marke vorbei spazieren sollten ihre mentale Nussschale nicht in diesen Atlantik der Verzweiflung werfen. Anstatt dessen darf sich jeder, der gnadenlose Arrangements am Laufband genießt einen echten Leckerbissen erwarten. Hier werden keine großen Unterschiede geboten, haken schlagende Songs präsentiert oder neue Horizonte aufgestoßen. Was Abraham bieten, gab es schon vorher, doch ihren eigenen, dunklen Mikrokosmos halten sie über die Dreiviertelstunde erstaunlich souverän aufrecht. Noch ein letztes Mal der Seekrankheit vorbeugen, tief Luft holen und auf geht es in ein düsteres Post-Metal-Vergnügen, das zeigt, dass man auch ohne großartigen Innovationen eine gute Leistung abliefern kann.

Anspieltipps:

  • Coyote Versus Machete
  • Astro Zombies
  • Hellsinki

Neue Kritiken im Genre „Post Metal“
Diskutiere über „Abraham“
comments powered by Disqus