Nichts - Zeichen Auf Sturm - Cover
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Nichts Zeichen Auf Sturm


  • Label: Electrique Mud/ALIVE
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir haben einen Anwärter auf das Album mit den schönsten Songtiteln. Von „Werweißnichtwas“ über „Feierstarter“ und „Goldbroiler From OuterSpace“ bis hin zu „Wandertag In Der Geschlossenen“ bietet das Comeback der Deutsch-Rock-Gruppe Nichts ein Füllhorn an spaßigen Songtiteln. Moment, „Nichts“? Die „Nichts“? Die Punkrocktruppe, die ihr letztes Album 1983 herausbrachte? Ganz recht. Zwar ist von der Originalbesetzung nichts außer Gitarrist Michael Clauss geblieben, aber die Hoffnung auf guten Deutsch-Rock der alten Schule bleibt bis zum Schluss.

Nach kurzem, nichts sagenden Intro geht es los und man höre und staune: von der ersten Sekunde an fühlt man sich zurück in die Zeit der NDW versetzt. Ob der Titeltrack selbst oder der Rest des deutschen Liedguts: Hier regieren ungeschliffene Gitarren, ein großer Wortschatz und Natürlichkeit in jeder Note. Unter Umständen wird sogar der ein oder andere Hörer der jüngeren Generation Gefallen an den rauen Gitarren in „Käse-Hirn-Boy“, „Die Gottesanbeterin“ oder „Blühende Landschaften“ gefallen finden. Der Text jedoch ist der Neuen deutschen Welle treu geblieben und schwebt zwischen kryptisch und gesellschaftskritisch.

Ältere Semester dürfen sich auf „Nichts“ 2.0 freuen. Die Band liefert genau das ab, was man von ihr erwartet. Obwohl das Album 19 Titel fasst, hat das Album keine großartigen Längen. Ein Rocker jagt den nächsten und allein Instrumentaleinschübe, die dem Bandnamen im negativen Sinne alle Ehre machen, sorgen für Pausen. An manchen Stellen möchte man beinahe von Brit-Rock reden, wenn die Gitarren so auf den Hörer niederfahren, aber dann sind da auch wieder Momente, die typisch deutsch sind. Die Mischung aus frechen Rocksongs, die mehr britisch als nach Punk klingen und schönen Tracks, die das Tempo herunterfahren und sich auf die authentischen Texte und das einfache, aber ehrliche Gitarrenspiel konzentrieren überzeugt erstaunlich gut für knappe 30 Jahre Abstinenz. Das Lob geht in erster Linie an Clauss, der sich zwar nicht großartig entwickelt hat, dafür genug gute Ideen beisteuert.

Fans der ersten Stunde flippen wahrscheinlich sowieso seit Wochen aus und haben schon keine Fingernägel mehr, an denen sie noch knabbern könnten. Was macht aber der Rest der Welt mit diesem Album? Viele werden sich schwer tun, wenn der Großteil des Albums nach den 80ern klingt. Wer jedoch ein Ohr für merkwürdige, deutsche Texte und unverfälschte Rockmusik offen hat, der könnte den Schritt auf das Album mit dem B-Movie-Cover wagen.

Anspieltipps:

  • Zeichen Auf Sturm
  • Die Gottesanbeterin
  • Wie Im Delirium

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