Nathaniel Rateliff - In Memory Of Loss - Cover
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Nathaniel Rateliff In Memory Of Loss


  • Label: Rounder Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Singer/Songwriter haben immer einen schweren Startpunkt: Ihre Stimme. Es wird Menschen geben, welche die Stimme mögen oder gar lieben werden und andere mäkeln und meckern wiederum an diesem und jenem Ende. Auch Nathaniel Rateliff lebt mit dieser Schwierigkeit. Im Falle dieser Rezension hat seine Stimme jedoch gefallen. Wer die Meinung über seine Stimme teilt, wird einen der ersten Anwärter zum Album des Jahres in den Händen halten. In Übersee schon längst in höchsten Tönen gelobt (und bereits Ende September erschienen), weiß das Album hoffentlich auch hier eine ganze Parade an guten Kritiken aufmarschieren zu lassen. Nathaniel Rateliff schafft eines dieser Alben, welches einen von der ersten Sekunde an gefangen nimmt und dabei Folk, Americana, Singer/Songwriter und viele weitere Elemente mit seiner beruhigenden Art vereint.

„Once In A Great While“ ist gleich der beste Beweis für ein Juwel von Song. Eine strahlende Perle, die den Fleet Foxes ähnlich den Hörer in einer geheimnisvollen und doch vertrauten Kulisse willkommen heißt. Jedes Fortissimo von Nathaniel sorgt für Gänsehaut und klingt so herzzerreißend und ehrlich zugleich. Sanft und beruhigend, ja. Kitschig, nein. „Early Spring Till“ macht genau da weiter, wo der Opener aufhört. Diesmal gibt es inmitten der Wohlfühlattmosphäre einen abermals Herz erweichenden Chorus, der noch Stunden nach Hören der CD in den Ohren nachklingen wird. Allein das abgeschnitten wirkende Ende mag dem ein oder anderen auffallen. Besonders, da diese Art von Schlussstrich auch in weiteren Liedern vorkommt und die eingesogene Magie fast gewaltsam abreißt. Dieser Umstand wird jedoch schnell vergeben, da die kurzen, einfachen Lieder in ihrer Eindringlichkeit schlicht offene Münder hinterlassen.

Die Lieder jenseits der Dreiminutenmarke sind ebenfalls beruhigend, aber kündigen sich auch gerne im größeren Format an. „Shroud“ ist zum Beispiel eine echte Radiosingle mit E-Gitarre und einer Soundkulisse, die die Intimität der vorigen Lieder mit schwungvollem Rock mixt. Auch „A Lamb On The Stone“ wälzt sich in Glückshormonen, die es dann unter den Hörern zur Genüge und in schnellem Tempo verteilt. Ansonsten kann man sich an den langsamen, weichen Balladen dieses Albums kaum satt hören. Wunderbare Geschichten offenbaren sich dem Hörer am laufenden Band und ob es nun „You Should've Seen The Other Guy“ oder „Happy Just To Be“ ist ein Lächeln bei geschlossenen Augen garantiert. „In Memory Of Loss“ schafft es, ohne groß zu variieren, 16 kleine Perlen aus dem Boden zu stampfen, die einfach nicht langweilen möchten. Die beiden Bonustracks „You Make All The Noise“ und „Pounds And Pounds“, die auf der amerikanischen noch nicht vorhanden waren, reihen sich in Sachen Niveau weitestgehend nahtlos ein und so kann man eine knappe Stunde voller samtener Klangmomente genießen, die zu keinem Zeitpunkt abreißt oder nach dem Skip-Button schreit. Das klingt gerechtfertigter Weise nach einem der Top-Alben für 2011.

Anspieltipps:

  • Shroud
  • We Never Win
  • Early Spring Till

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