Powerworld - Human Parasite - Cover
Große Ansicht

Powerworld Human Parasite


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf der Myspace-Seite der Band Powerworld steht unter dem Punkt „Einflüsse“ doch tatsächlich geschrieben: „Sex, Drugs and Rock'n Roll.“ Na, wenn das mal kein prolliges, leicht beschämendes Statement ist. Vor allem im Anbetracht ihres zweiten Albums, „Human Parasite“, kann jegliche großkotzige Pose nur belächelt werden, denn das Album ist ein dermaßen stures und langweiliges Stück Musik geworden, dass es beinahe unmöglich ist, die vollen 53 Minuten durchzuhalten.

Nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums verließen Sänger Steffen Brunner und Schlagzeuger Jürgen Lucas die Melodic-Metal-Band, Ersatz wurde zumindest für die Aufnahmen in Drummer Simon Michael (Subway To Sally) gefunden, als volles Mitglied sitzt nun Achim Keller (Victory) am Schlagzeug, Andrew “Mac” McDermott (ehemals bei Sargant Fury, Threshold) steuert auf „Human Parasite” den Gesang bei. Somit bleiben Ilker Ersin (Bass, Ex-Freedom Call, Ex-MoonDoc), Nils Neumann (Keyboard, Ex-Freedom Call), Barish Kepic (Gitarre, Ex-Jaded Heart) von der ursprünglichen Besetzung übrig. Doch obwohl alle Mitglieder über Erfahrungen in zahlreichen anderen Bands verfügen, ist es ihnen nicht gelungen, ein interessantes Album aufzunehmen.

Schlimmer sogar: „Human Parasite“, dessen Artwork fiese Assoziationen an Filmposter zu Steven Spielbergs „War Of The Worlds“ aufkommen lässt, zieht sich endlos in die Länge und lässt jegliche Kreativität sowie Spritzigkeit vermissen. Man hat das Gefühl, Powerworld würden das immer gleiche Powerriff unter die immer gleichen Powerrefrains legen, so dass es schwer fällt, einen Song vom anderen zu unterscheiden. Gerade McDermott ist dann das musikalische Element des Albums, das das Durchhören so unwahrscheinlich schwer macht: Seine poppigen Gesanglinien wollen so gar nicht zu den Riffs passen, die allerdings entsprechend schwach auf der Brust sind. Lediglich das Schlagzeug von Simon Michael hinterlässt bleibende Eindrücke („Cleansed by Fire“). Ebenso bleibt das Klavier von „Time will change“ im Gedächtnis, auch wenn das wahrscheinlich eher daran liegt, dass es so unpassend klingt. „Tame your demons“ haut am Anfang endlich richtig tief in die Magengrube, verläuft sich während seiner sechs Minuten dann aber doch im generischen Dickicht.

Insgesamt reiten Powerworld zu sehr auf abgegammelten Riffs herum, die Double-Bass von Michael klingt häufig so kraftlos wie ein Schlag auf den Kochtopf, die elektronischen Elemente („East comes to west“) wirken gekünstelt. „Evil in me“ vermag sich in diesem Brei mit seinen Streichern und dem Glockenspiel zu Beginn abzuheben, endet dann aber leider genau wie alle anderen Songs in der Melodic-Metal-Falle. Zwar streuen Powerworld angestrengt viele Tempowechsel und Soli ein, die Solo-Einsätze sind jedoch vorhersehbar sowie beliebig. Es ist der bereits erwähnte Gesang von McDermott, der der Farce die sprichwörtliche Krone aufsetzt: Als hätte man Europe mit billigen und handzahmen Melodic-Metal-Riffs gepaart. Kann sein, dass ein paar Genrefans diesem Album etwas abgewinnen können, alle anderen dürfen ablachen oder abkotzen.

Anspieltipps:

  • Evil in me
  • Tame your demons

Neue Kritiken im Genre „Melodic Metal“
Diskutiere über „Powerworld“
comments powered by Disqus