Roxette - Charm School - Cover
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Roxette Charm School


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Leider nur zeitweise überzeugend, da die Songwritingqualitäten von Per Gessle nur sporadisch aufblitzen.

Wer hätte das erwartet? Das schwedische Duo Roxette startet zehn Jahre nach seinem letzten Album ein Comeback! Sängerin Marie Fredriksson hatte einen Gehirntumor, der 2002 entdeckt wurde und sie fast sterben ließ. Sie besiegte nach langen Jahren den Feind, der aber Störungen im Kurzzeitgedächtnis und ein blindes rechtes Auge hinterließ. Trotzdem war es an der Zeit, dass Per Gessle, Sänger, Gitarrist und Mastermind von Roxette und Marie ins schwedische Studio gingen, um zwölf neue Songs aufzunehmen. Eine Welttournee startet dann auch noch nach dem Erscheinen der CD, da kann man schon vom einem richtigen Comeback schreiben.

Stimmlich bleibt alles beim alten: Marie trumpft mit gewohnter Eindringlichkeit und Gefühl auf, wohingegen Gessle doch eher seine Gitarre und das Keyboard stärker bearbeiten sollte. Seine Gesangsparts haben auf diesem Werk etwas zu viel Anteil, und da seine Stimme einfach zu ausdruckslos klingt, gerät dies zum Nachteil.

Typische Roxette-Popsongs sind der Opener „Way out“ und die erste Single „She's got nothing on (but the radio)“. Der erste führt den Hörer mit einem gewissen Countrytouch auf die falsche Fährte, um dann mit einem starkem Refrain und dem bekannten Pop/Rock-Mix Marke Roxette weiterzuarbeiten. Die erste Single beherbergt ein treibendes elektronisches Etwas, das von den Gesangsparts und dem sehr eingängigen Refrain gut geführt wird. Ganz klar: Dieser Track besitzt das alte Hitpotenzial aus den späten 80er Jahren.

Zur Kategorie Totalausfall müssen die Songs „After all“ und „Dream on“ gezählt werden, weil Per Gessle seine Verbeugung vor seinen musikalischen Helden The Beatles derart plump präsentiert, dass man vor Langweile einschläft. „Speak to me“ und „Big black Cadillac“ hingegen punkten mit musikalischer Abwechslung und kommen schon annähernd an alte Glanztaten heran: Ein eingängiger Refrain und Keyboardspielereien, sowie die üblichen einfachen Gitarrenriffs gehören zu diese Tracks und demonstrieren die Art von Popmusik, wie Roxette sie sich in aktualisierter Version vorstellen.

Richtig überzeugen kann das aber nur zeitweise, weil die Songwritingqualitäten von Per Gessle nur sporadisch aufblitzen, statt wirklich vom Hocker zu reißen. Von den vier Balladen, „No one makes it on her own“, „I'm glad you called“, „In my own way“ und „Sitting on top of the world“ kann nur letztere Anklang finden, wenn Marie Frederiksson zu entspannten elektronischen Klängen einen nachdenklichen Text gekonnt und einfühlsam vorträgt. Bei den anderen beiden Tracks wird allzu sanft, teilweise nur mit Akustikgitarre, etwas zu viel auf die Tränendrüse gedrückt und nichts Neues geboten.

Sicherlich beweisen Roxette auf „Charm School“ ihr Können, immer noch gute Popsongs zu komponieren. Leider stehen sie ab und an zu sehr auf der Tempobremse, so dass der Funke nicht immer überspringt. Das bedeutet aber nicht, dass Roxette komplett enttäuschen. Sie spielen immer noch im oberen Tabellendrittel, um es fußballerisch auszudrücken.

Anspieltipps:

  • Way out
  • Speak to me
  • Big black Cadillac
  • Sitting on top of the world

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