Robert Miles - Thirteen - Cover
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Robert Miles Thirteen


  • Label: Salt Records/ALIVE
  • Laufzeit: 56 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Musiker, die verändern ihre Musik im Laufe ihrer Karriere von der absoluten Massenware zu erfindungsreicher Experimentalmusik. Robert Miles, italienischstämmiger Schweizer, hatte mit „Children“ und „One to one“ riesige Hits in den 90er Jahren. Das gehörte in die Kategorie lupenreiner Dreamdance oder Trancepop par excellence, der die Charts enterte. Heutzutage besitzt er ein eigenes Label namens Saltrecords und macht schon sein einigen Jahren das was ihm so viel Spaß macht: Musik produzieren und DJ sein.

Seine eigene Musik wendete sich vom chartkompatiblen eingängigen Sound zu einem schwer zu beschreibenden Etwas: Einige Tracks passen wunderbar als atmosphärischer Soundtrack und es wird sehr viel elektronisch experimentiert und getüftelt bis der Arzt kommt. Diesmal aber verzichtete Miles komplett auf Stimmen bis auf wenige sirenenartige Gesänge, die den Hörer in seinen seltsamen Klangkosmos mit musikalischen Gebilden, die seltsamerweise auch an Pink Floyd erinnern oder komplett verrückt klingen, entführen. Gitarren und Schlagzeug tauchen auf einmal aus dem Musiknebel auf und man meint, diese reine Computermusik wirkt auf einmal lebendig, man höre „Black rubber“, und staunt ständig was der Robert mittels seiner PC-Prozessoren fabriziert. Wer nachdem Genuss dieses musikalischen Wundertüte nicht erschöpft oder verwirrt ist, den kann so leicht nichts erschrecken. Mit Chillout-Musik oder Soundtrackbeschallung hat das ganz viel, aber dann auch wieder nichts zu tun, das ist das Dilemma der CD. Denn erst schwelgt der Musiker in Sirenenklängen und atmosphärisch dichten chilligen Tönen, die aber nicht ewig im Gedächtnis bleiben, um dann wieder richtige Instrumente, dennoch computererzeugt, auszupacken. Zeitweise zieht einen dieser faszinierende Flickenteppich aus fast normaler Musik mit und diese unbeschreiblichen eigenartigen Wendungen, die manchen Song in dubiose Einzelteile oder in ein langgezogenes Etwas verwandeln, verblüffen immer aufs Neue.

Für das elektronische Genre bedeutet dieses Werk aber viel, da es immer wieder Überraschungen gibt und damit keine Langweile aufkommt. Man muss sich diese Platte nach und nach erschließen und findet dann merkwürdige musikalische Momente, die durchaus gefallen. Allerdings wird diese Musik kein Massenpublikum finden, das steht tausend prozentig fest und es bleibt schwierig, einzelne Tracks herauszuheben, da sie am Stück erst ihre Wirkung stärker entfalten. Bei aller Faszination darf nicht verschwiegen werden, dass Mister Miles es mit seinen Experimenten teilweise schwer übertreibt und damit den Hörer schlicht überfordert und mit ein wenig Gesang würde einiges auch strukturierter klingen. Wer also musikalische Herausforderungen liebt, darf sich daran versuchen, allen anderen bleibt noch die Möglichkeit, die unzähligen anderen CDs dieser Musikwelt zu erforschen.

Anspieltipps:

  • Black Rubber
  • Voices from an submerged Sea

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