Crowbar - Sever The Wicked Hand - Cover
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Crowbar Sever The Wicked Hand


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer dermaßen aktiv unterwegs ist wie Kirk Windstein (Gesang, Gitarre), darf mit seiner Hauptband ruhig sechs Jahre untertauchen. Die Engagements bei den beiden Allstarprojekten Down (aktuelles Album ist „Over the under“ vom September 2007) und Kingdom Of Sorrow („Behind the blackest tears“ erschien im Juni 2010) waren immerhin ausfüllend genug, doch nach „Equilibrium“ (03/2000), „Sonic excess in its purest form“ (08/2001) und „Lifesblood for the downtrodden“ (02/2005) war es im neuen Millenium nun an der Zeit einen Nachfolger auf die Beine zu stellen. „Ich sehe dieses Album als die Wiedergeburt von Crowbar“ heißt es folglich von Mastermind Windstein, eine Aussage, die ohne den Zusatz „Mit Alkohol und Drogen habe ich im August aufgehört“ schnell an Relevanz verlieren würde. Ist „Sever the wicked hand“ vielleicht gerade deswegen das persönlichste und verletzlichste Crowbar-Album seit den 90er Jahren geworden?

„You´re never coming back / Never coming back / I´m choosing isolation / And turned to desperation” heißt es in der eröffnenden Sludgecore-Walze „Isolation (Desperation)”, die gefolgt vom rasanteren Titeltrack und dem tonnenschweren Lavagesteinsbrocken „Liquid sky and cold black earth“ gemeinsam eines besonders klar machen: Crowbar ist nach wie vor keine Musik für Pessimisten. Wenn Matthew Brunson (Gitarre), Patrick Bruders (Bass) und Tommy Buckley (Schlagzeug) durch den dunklen NOLA-Schlamm waten und Windstein voll Verzweiflung seine Stimme erbeben lässt, dann zieht nicht nur die Atmosphäre dicke Dunstschleier auf, sondern sich in gleichem Maße die Schlinge um den Hals des Hörers zu. „Als wir mit Crowbar anfingen, war Thrash Metal auf seinem Höhepunkt. Jimmy (Bower) und ich entdeckten damals Bands wie Black Sabbath oder Saint Vitus für uns wieder und wir stimmten die Gitarren zunächst von D auf C, später auf B und für manche Songs sogar auf A runter. Es ging nur darum, so tief und heavy wie möglich zu klingen.“ gibt Kirk zu Protokoll. „Sever the wicked hand“ steht unverrückbar und felsenfest in dieser Tradition.

Das metallische Grollen kennt allerdings ausreichend Nuancen um nicht im künstlerischen Morast stecken zu bleiben. Mal bedeutet das eine wuchtige bis gedrosselte Hardcore-Schlammpackung auf die Ohren zu bekommen („The cemetery angels“, „Protectors of the shrine“, „Cleanse me, heal me“), dröhnendes Doom-Material in Empfang zu nehmen („I only deal in truth“, „Let me mourn“) oder dem ausgefeilten Wechselspiel von Tempo, griffigen Riffwällen und Stimmung beizuwohnen („As I become one“, „Echo an eternity“, „Symbiosis“). Einen hervorstechenden Hit oder große Experimente sucht man vergeblich, dies ist allerdings dem Fokus auf ein durchgehend hohes Qualitätslevel geschuldet, der die Scheibe mit jeder weiteren Umdrehung wachsen lässt. „`Sever the wicked hand` ist eine Metapher, alles Negative aus deinem Leben heraus zu schneiden. Das kann die Hand sein, die das Bier zu deinem Mund führt, die Hand, die den Schein für das Koks zusammenrollt oder die Hand, die dir die Pille in den Mund wirft. Es kann bedeuten, eine schlechte Beziehung oder eine schlechte Freundschaft zu beenden - einfach alles, was dir Negatives in dein Leben trägt. Es geht darum, das alles hinter sich zu lassen und voran zu gehen.“ Für den Menschen, der „Sever the wicked hand“ in sein Abspielgerät legt, wird es allerdings nicht anderes bedeuten als die Beziehung zwischen ihm und Crowbar zu intensivieren.

Anspieltipps:

  • Echo An Eternity
  • As I Become One
  • Sever The Wicked Hand
  • Liquid Sky And Cold Black Earth

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