R.E.M. - Collapse Into Now - Cover
Große Ansicht

R.E.M. Collapse Into Now


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

R.E.M. schaffen es tatsächlich, mit „Collapse Into Now“ das vitalste R.E.M.-Album seit vielen Jahren vorzulegen.

Die Stimmung rund um eine Album-Veröffentlichung von R.E.M. war definitiv auch schon mal besser als heuer. Denn anstatt großer Stories und Interviews in der schreibenden Presse, hört man nur davon, dass die Band kurz vor dem Aus steht, vorerst keine Tourneen mehr spielen will und dass Sänger Michael Stipe sich als „zu 80% schwul“ outet und sich mehr auf seine Kunstprojekte konzentrieren will.

Zwar haben R.E.M. nach ihren unfassbaren Erfolgen in den 90er Jahren schon vor geraumer Zeit damit begonnen, den Hype um sie zu bekämpfen und sich in allen Belangen Stück für Stück gesundzuschrumpfen, doch so eine miesepetrige Laune wie sie zurzeit im R.E.M.-Lager vorherrscht, hat es noch nie gegeben. Dabei klingt die Hintergrundgeschichte des neuen Longplayers „Collapse Into Now“ durchaus viel versprechend, da die Aufnahmen größtenteils in den berühmten Berliner Hansa-Studios stattfanden. Der Kenner weiß nämlich, dass sich schon einige ausländische Stars von der magischen Aura der deutschen Hauptstadt haben anregen lassen und diese Inspiration in herausragenden Werken festhielten (u.a. David Bowie, Iggy Pop, U2, Depeche Mode).

Produzent Jacknife Lee (AFI, Bloc Party, Editors, U2) hat im Jahr 2008 mit der Band Snow Patrol ebenfalls in Berlin ein Album aufgenommen. Dabei schauten R.E.M. den Kollegen ein wenig über die Schulter und beschlossen, ihr nächstes Album auch in Berlin aufzunehmen – 25 Jahre nachdem die Band das letzte Mal in einem europäischen Studio gearbeitet hat. Verknüpft mit dieser Entscheidung für Berlin ist natürlich auch die Hoffnung auf ein großartiges Album. Denn sind wir einmal ehrlich: dass R.E.M. uns mit einem neuen Werk so richtig vom Hocker rissen, ist schon eine ganze Weile her.

„Discoverer“ holt das düster-krawallige Element des „Monster“-Albums (1994) hervor, während „Überlin“ fast schon an alte „Out Of Time“-Zeiten (1991) gemahnt. In „Oh my heart“ tauchen für R.E.M. ungewöhnliche Akkordeon- und Bläserklänge auf und „It happened today“ zaubert eine dezente, aber nicht minder grandiose Melodie wie zur „Automatic For The People“-Phase (1992) aus dem Hut. Dass dabei ein gewisser Eddie Vedder (Pearl Jam) im Background singt, nimmt der Hörer kaum wahr. Überhaupt halten sich die singenden Gäste, zu denen auch Patti Smith („Discoverer“, „Blue“), Peaches („Alligator aviator autopilot antimatter“) und Joel Gibb („It happened today“) gehören, sehr zurück und überlassen es ihren Auftraggebern, den Songs einen markanten Stempel aufzudrücken, wobei die Stimme einer Patti Smith auch bei absoluter Zurückhaltung einfach auffallen muss.

R.E.M. schaffen es tatsächlich, mit „Collapse Into Now“ das vitalste R.E.M.-Album seit vielen Jahren vorzulegen, da sich die Band nicht auf eine einzige Stilrichtung festlegen lässt, sondern sämtliche Stärken an den Tag legt, die der Hörer von dieser Gruppe gewohnt ist. Dazu gehören fast schon punkige Stücke wie „Alligator aviator autopilot antimatter“, treibende Power-Popsongs im 80er-Jahre-R.E.M.-Stil („Mine smell like honey“, „That someone is you“) und selbstredend tränenrührende Balladen („Walk it back“, „Me, Marlon Brando, Marlon Brando and I“).

Wenn der Hörer am Schluss mit dem beklemmenden „Blue“ entlassen wird, hat er ein starkes Album hören dürfen, dass R.E.M. auf höchstem Niveau präsentiert. Die Songs sind abwechslungsreich, in sich stimmig und atmosphärisch dicht miteinander verwoben. Es scheint nicht nur so, dass die Magie Berlins nun auch auf R.E.M. positiv angefärbt hat, es gilt mit „Collapse Into Now“ als bewiesen.

Anspieltipps:

  • Blue
  • Überlin
  • Discoverer
  • Oh my heart
  • Alligator aviator autopilot antimatter

Neue Kritiken im Genre „Rock“
9.5/10

Our Love To Admire (10th Anniversary Edition)
  • 2017    
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „R.E.M.“
comments powered by Disqus