Does It Offend You, Yeah - Don´t Say We Didn´t Warn You - Cover
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Does It Offend You, Yeah Don´t Say We Didn´t Warn You


  • Label: Cooking Vinyl
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn die Grenzen zwischen der Brutalität des Punk, der Tanzbarkeit des Electro und der Melodik des modernen Pop-Rock vermischt werden, müssten es eigentlich The Prodigy sein, die ihr Unwesen treiben. Das war zumindest früher einmal so, doch es gibt ja inzwischen zahlreiche weitere Gruppen, die mit ihrer Variante des Electro-Rocks die Massen auf den Festivals zum Ausrasten bringen. Zu diesen Bands gehört auch Does It Offend You, Yeah?, die mit ihrem abwechslungsreichen Programm vor allen Dingen live die Hütte zum Brennen bringen. Man kann auf dem neuen Album „Don't Say We Didn't Warn You” aber nicht nur die Pioniere der 90er raushören, sondern auch einen Schwarm junger Bands wie Justice, Digitalism oder, in den etwas rockigeren Momenten, auch mal Bloc Party.

Schon mit „We Are the Dead” wollen DIOYY beweisen, dass auf ihrem neuen Album alles möglich ist: Eröffnet wird mit einer akustischen Gitarre und melancholischen Gesang, der – und das ist kein Witz – für einen kurzen Moment an Thom Yorke erinnert. Man wähnt sich zunächst noch im falschen Film. Doch wenn die knallende Bassdrum und die Synthie-Beats erstmal in ihrer vollen Brutalität einsetzen, die Stimmen zu elektronischen Monstern verfremdet werden und irgendwo im Hintergrund jemand wie bescheuert auf ein paar Kuhglocken rumhämmert, weiß man, wie Ekstase buchstabiert wird. James Rushent (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Rob Bloomfield (Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer), Dan Coop (Synthesizer), Matty Derham (Gitarre) und Chloe Duveaux (Bass) wagen nicht nur hier, sondern auch zwischen den einzelnen Songs immer wieder waghalsige Lautstärke- und Stilwechsel und schaffen es auf wundersame Weise, das Durcheinander irgendwie beisammen zu halten.

Da sind zum Beispiel die eher tanzbaren Indie-Rock-Songs wie „Pull Out My Insides” oder „The Knife”, bei denen die Synthies knatternden Bassläufen, E-Gitarren und poppigen Melodien weichen müssen. Dann wiederum zieht die Band einem ein krasses Brett aus Synthiebeats über die Ohren („John Hurt”), wie bei der ersten Single „The Monkeys Are Coming”, die wieder bei voller Laustärke die Affen durch den Wald rasen lässt. Es gibt zum einen komplett instrumentale Tracks („Yeah!”), solche mit Vocal Samples („Wrestler”) und bei „Wondering” bringen die Briten dann auch noch einen kurzen Rappart mit unter. Sogar das überraschend melancholische „Broken Arms”, welches die Party beendet, passt da noch irgendwie ins Konzept – sofern es denn eins gibt.

Es gibt sicherlich brutaleren Electro in den Clubs und eine Menge Bands, die in Sachen Catchiness Does It Offend You, Yeah? etwas voraushaben. Doch „Don't Say We Didn't Warn You” ist immer bereit für ein stilistisches Abenteuer und über weite Strecken äußerst unterhaltsam, auch wenn sich ein paar schwächere Stücke dazwischen gemogelt haben („Yeah!”, „Wondering”). Vielleicht hätte die Band auf lange Sicht doch etwas mehr auf Geschlossenheit achten sollen. Insgesamt bedeutet Album Nummer zwei jedoch einen Schritt nach vorne. Wohin solls als nächstes gehen? Egal was oben in den Trichter gefüllt wird – der Mixer von Does It Offend You, Yeah? steht immer auf volle Power.

Anspieltipps:

  • We Are the Dead
  • Pull Out My Insides
  • The Monkeys Are Coming
  • Wrestler

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