Avril Lavigne - Goodbye Lullaby - Cover
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Avril Lavigne Goodbye Lullaby


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hey, lass uns fett Party machen und die Welt da draußen vergessen“.

Fast vier Jahre mussten die Fans von Avril Lavigne auf den Nachfolger des „The Best Damn Thing“-Albums (04/2007) warten und sich mit mehrfach verschobenen Veröffentlichungsterminen herumplagen, die ganz bestimmt nicht nur auf Lavignes viele Verpflichtungen als Modemacherin, Schauspielerin und zwischenzeitliche Ehefrau zurückzuführen waren. Denn sowohl die Künstlerin als auch ihre Plattenfirma gaben zu Protokoll, mit den neuen Songs nicht zufrieden zu sein. Deshalb hieß es nachsitzen und retten, was zu retten war, um in einer Popwelt zu bestehen, in der inzwischen schrille Konkurrentinnen wie Lady Gaga, Katy Perry und Ke$ha eingezogen waren und die bald 27jährige Kanadierin ziemlich alt aussehen ließen.

Diese konterte zwischendurch mit freizügigen Aufnahmen für ein Männermagazin, brachte Anfang 2010 die nicht wirklich gut gelaufene Soundtrack-Single „Alice“ auf den Markt und schickte wiederum Anfang des Jahres 2011 die erste Auskopplung aus dem kommenden Album „Goodbye Lullaby“ voran. Diese hört auf den Titel „What the hell“ und knüpft stilistisch an die sich prächtig verkaufte „Girlfriend“-Single des „The Best Damn Thing“-Albums an. Das ließ keine großen Hoffnungen aufkommen, denn nach „Girlfriend“ liefen die weiteren Singles bescheiden und der fast schon als debil zu bezeichnenden Ansammlung von Partyliedern ging ganz schnell die Luft aus.

Unterm Strich lässt sich festhalten, dass Avril Lavignes Album-Verkaufszahlen von Werk zu Werk um ca. 40% abgenommen haben und mit „Goodbye Lullaby“ ein klarer Turnaround geschafft werden muss. Das macht den Druck, der auf diesem Comeback lastet natürlich kleiner und macht das lange Basteln an den Songs nachvollziehbar. Am Ende gilt dennoch: Wo Avril Lavigne draufsteht, ist auch Avril Lavigne drin. Und das heißt auf lyrischer Seite, dass dem Hörer eine immer wiederkehrende Auswahl aus drei Grundthematiken angeboten wird:

1.) „Ich bin ja so derbe krass verliebt, das gibt’s ja gar nicht“
2.) „Wer hat Schuld daran, dass ich ganz doll Liebeskummer habe?“
3.) „Hey, lass uns fett Party machen und die Welt da draußen vergessen“

Die musikalische Verpackung ähnelt der des Vorgängeralbums, wobei hier eine gewisse Weiterentwicklung – oder sagen wir besser, eine nachträgliche Nachjustierung – zu bemerken ist. So stellt der Opener „Black star“ aufgrund seiner Kürze im Prinzip nichts weiter als ein kleines Intro dar, doch das verwendete Pianothema ist durchaus stark. In der Folgezeit werden häufig dezente HipHop-Beats mit akustischen Gitarren gekreuzt, was grundsätzlich hübsch klingt, aber nicht von den oberflächlichen Herz/Schmerz-Texten ablenken kann („Push“, „Wish you were here“, „I love you“). Ein Phänomen, das sich durch das gesamte Album zieht und so manchem kompositorisch geglückten Song eine schwere Breitseite verpasst.

Zusammenfassend ist „Goodbye Lullaby“ leichte Popkost, die weder belastet noch so nervt wie auf „The Best Damn Thing“. Mit Punk- und Rockmusik ist Avril Lavigne demnach definitiv durch, was auch besser zu ihrem neuen Glamour-Image passt. Inwieweit sich ihre Fans damit identifizieren können, steht auf einem anderen Blatt Papier. Positiv kann jedenfalls verbucht werden, dass Avril Lavigne musikalisch wieder die Kurve gekriegt hat und den Totalausfall des vorigen Albums vergessen machen kann. Fakt ist allerdings auch, dass die Kanadierin beim nächsten Album stramm auf das 30. Lebensjahr zusteuert und dann nicht mehr mit solchen Texten wie auf „The Best Damn Thing“ und „Goodbye Lullaby“ zu hören durchkommen wird.

Anspieltipps:

  • Push
  • 4 real
  • Goodbye
  • Not enough
  • Remember when
  • Wish you were here

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