Lykke Li - Wounded Rhymes - Cover
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Lykke Li Wounded Rhymes


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu sehr sucht die junge Musikerin nach dem rechten Zukunftsweg.

Lykke Li’s Zweitwerk nach dem elfenhaften, zuckersüßen Mädchenpopdebüt fällt um einiges rauer und kantiger aus. Zum Glück ist „Wounded Rhymes“ also kein Aufguss. Der neue Sound der schwedischen Weltenbummlerin hört sich insgesamt satter und bandlastiger an als ihre feingeistigen Popstrukturen auf „Youth Novels“, präsentiert sich aber letztlich doch als ein dem Debüt nachstehender, leicht schwächelnder Nachfolger.

Dynamisch legt der Rhythmus im starken Opener „Youth Knows No Pain“ in überzeugender Indie-Rock-Manier los. Lykke Li rockt hier regelrecht und setzt ein absichtlich anderes Richtungszeichen. Auch „I Follow Rivers“ lebt von aktiver Rhythmik und Perkussion und weiß somit angenehm zu überraschen. Nach der Debüt-Zartheit nun also ein vertonter Reifungsprozess. Lykke Li als ernstzunehmende Künstlerin, die mehr als eine Gefühlsklaviatur beherrscht. Doch die sich anschließenden Balladen- und Folkversuche „Love Out Of Lust“ und „Unrequited Love“ gebären sich melodiös eintönig und unspannend und sind zudem keine lyrischen Meilensteine. Lykke Li als Festgerannte in ihrer emotionalen Schublade.

Wann immer „Wounded Rhymes“ zu überzeugen weiß trägt Perkussion und Rhythmik den Song. So auch auf „Get Some“ mit Westerngitarre und Spoken-Word-Anleihen. Das gleiche gilt für „Rich Kids Blues“ treibendes Schlagzeugspiel und seiner satten Instrumentierung. Lykke Li steht die Rolle als stimmliche Bandleaderin richtig gut. Aber sofort geht der nächste Song wieder in die unausgegorene weder-Fisch-noch-Fleisch-Richtung, Balladesk, nur der Stimme Raum gebend, doch mit zuvielen Störfaktoren drumherum wissen die downtempo-Nummern oft nicht wo sie eigentlich hin wollen. „Sadness Is A Blessing“ mit seinem lyrisch fragwürdigen Gejammer ist so ein Fall.

Selbst das dramaturgisch klug hinten angestellte, sparsame, weil rein akustische „I Know Places“ geht wie es gekommen ist: Unspannend. Doch dem Auf und Ab des Albums folgend geht es mit „Jerome“ noch mal kräftig nach vorn. Lykke Li, wer hätte es gedacht nach dem Zartpopdebüt, kann ganz gut mit druckvoller Musik. „Silent My Song“, abschließend, ist ein richtiger Rausschmeißer, elegisch, hochtrabend, und, ja, tendenziell überflüssig.

Lykke Li hat die Bürde ihres gefeierten Debüts tapfer auf ihrem Kreuz getragen und einiges Neues gewagt. Vor allem, dass sie mit Band und Uptempo-Nummern nicht fehl am Platze wirkt ist die erfreuliche Erkenntnis aus „Wounded Rhymes“. Doch zu sehr sucht die junge Musikerin hier noch nach dem rechten Zukunftsweg, beziehungsweise begeht den alten oder eventuelle neue schlicht nicht konsequent genug. Lykke Li: statt stark nur noch gut.

Anspieltipps:

  • Youth Knows No Pain
  • I Follow Rivers
  • Get Some
  • Rich Kids Blues

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