I Hate Our Freedom - Seriously - Cover
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I Hate Our Freedom Seriously


  • Label: Arctic Rodeo Recordings
  • Laufzeit: 20 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der aufmerksame Indiefreund weiß es längst. Das Label Arctic Rodeo Recordings ist ein Garant für zauberhafte Rockperlen, jenseits des großen Mainstreams. Der neueste Coup heißt nun also „I Hate Our Freedom“ und gehört im Vergleich zu Labelkollegen wie Walter Schreifels, Baja, Juta etc. auf jeden Fall zu den Vertretern der härteren Gangart. Die Band besteht nicht aus Unbekannten. Die Mitglieder der Vierercombo haben sich allesamt ihre Lorbeeren in diversen Bands bereits verdient. „I Hate Our Freedom“, das sind Joseph Grillo (Garrison, God Fires Man), Justin Scurti (Milhouse), Scott Winegard (Texas Is The Reason, House & Parish) und Tucker Rule (Thursday). Damit trifft sich hier die gebündelte Erfahrung von Emocore über Post-Hardcore bis hin zu beinahe folkigem Rock.

In dieser Zusammensetzung macht man nun aber keine Gefangenen, das würde wohl allein der Bandname nicht zulassen, der für Lagerfeuer und Abschlussball nur schwer vorstellbar ist. Stattdessen gibt es in exakt 20 Minuten schön einen auf die Mütze. Der Opener „Top 8“ liest einem sofort die Leviten. Die Instrumentalfraktion gibt gleich zu Beginn alles und Joseph Grillo nimmt einem mit Scream-Vocals in Empfang, wie Chino Moreno (Deftones), Daryl Taberski (Snapcase) oder auch Dennis Lyxzén (Refused) es zu ihren besten Zeiten auch nicht anders getan haben. Der Mann am Mikro zeigt jedoch auch, dass er nicht nur schreien kann. Musikalisch fühlt man gelegentlich beinahe einen Hauch von Erinnerung an die seligen „At The Drive-In“. So viel kann man jedoch vorwegnehmen: Auf eine Stufe mit den genannten Bands schaffen „I Hate Our Freedom“ es sicher nicht, aber annehmbar ist das schon, was einem da geboten wird. Viele Bands, so auch die oben genannten (ehemaligen) Hauptbands der vier Musiker, haben ja erfolgreich gezeigt, dass Härte und Melodie sich nicht ausschließen. Und so hält es das Quartett aus Brooklyn auch auf „Seriously“. Luftholen verboten, und weitgehender Verzicht auf die angezogene Handbremse.

Bei den insgesamt zehn Stücken fallen vor allem „Batting Practice“ und „Never Promise Crazy a Baby“ auf, die wenige Wochen vor der Albumveröffentlichung als EP-Veröffentlichung vorgeschoben worden sind. Doch auch „You’ll Regret This, Shepherd“ ist hervorzuheben und gut gemacht. Zwei Punkte gibt es jedoch auch zu beanstanden, die möglicherweise zusammenhängen. So rauscht das Album letztlich in einem Zug an einem vorbei und es bleibt zwar ein positiver, aber nicht unbedingt nachhaltiger Eindruck. Hellhörig wird man noch einmal am Schluss beim Rausschmeißer „Die In Your Sleep“. Bei dem Instrumentalstück gibt es etwas weniger Tempo und zunächst einen spannenden Songaufbau. Leider ist nach 30 Sekunden doch schon alles zum Ausdruck gebracht und das Warten auf den Höhepunkt bleibt vergebens. Die weiteren gut zweieinhalb Minuten passiert nicht mehr viel Neues. Schade, denn gerade als man Blut geleckt hat, ist es auch schon wieder vorbei. Und das führt zum zweiten Punkt: Die Albumlänge steht prinzipiell zweifelsohne in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Qualität des Materials. Lieber 30 grandiose Minuten, als 75 Minuten mit uninspirierten Lückenfüllern. Aber eine Gesamtspieldauer von 20 Minuten ist vielleicht doch ein bisschen wenig.

Zur Albumveröffentlichung wird verlautet, dass die Band bereits am Zweitwerk arbeitet. An den Reglern sitzt dabei übrigens Kurt Ballou von Converge. Es spricht also allein deshalb alles dafür, dass auch mit dem sich schon jetzt abzeichnenden Nachfolger mittelfristig keine Lagerfeuertauglichkeit zu befürchten ist.

Anspieltipps:

  • Sober Sunday
  • Batting Practice
  • Never Promise Crazy a Baby
  • You’ll Regret This, Shepherd

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