The Streets - Computers And Blues - Cover
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The Streets Computers And Blues


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Selten hat ein Opening es geschafft, ein Album so in die falsche Richtung zu lenken. Oder besser: Den Hörer zu verwirren. „Outside Inside“ ist der vielleicht denkbar schlechteste Einstieg, den man sich für ein Album des sonst so authentischen Mike Skinners ausdenken konnte. Zwar wird hier mit epileptisch anmutenden Elektro-Einschüben dafür gesorgt, dass dem Computer im Albumtitel Ehre erwiesen wurde, aber die ersten 70 Sekunden vergisst man besser ganz schnell. Nach unausgegorenem Intro beginnt das Lied erst richtig und zu immer noch verschwommener Elektronik beginnt der gute Mann zu rappen, wie es sich für ein Kind der Insel gehört. Im Ohr dürfte dieser überladene Song jedoch kaum bleiben.

Da macht es das zuerst peinlich altmodisch wirkende „Going Through Hell“ besser. Die Strophen sind zwar irgendwo zwischen kaltschnäuziger Oldschool und schierer Peinlichkeit, doch der Chorus bleibt sofort im Ohr und begleitet einen auch noch lange nach Hören des Albums. Danach wird The Streets, wie sich Skinner nennt, geradezu unerhört massentauglich. Von Blues ist zwar weiterhin nichts zu spüren, doch die Elektronik in „Roof Of Your Car“, „Puzzled By People“ und dem sehr poppigen „Without Thinking“ spricht eine eindeutige Sprache. Neben einer guten Spur Spaß gibt sich der Rapper nahbar. Guckt man sich die internationalen Größe der Szene an muss diese Entscheidung jedoch nichts Schlechtes sein. The Streets passt sich an und klingt dabei durchaus hörbar.

Eine der stärkeren ruhigen Nummern ist „Blip On The Screen“, das die Gedanken eines werdenden Vaters bei der Betrachtung des Ultraschalls beschreibt. Schönes Thema, gut umgesetzt. Dann gibt es auch noch kulturelle Ausflüge in „Those That Don't Know“ und „Trust Me“ in südliche und entspannte Gefilde. Überhaupt ist das Album jedoch sehr entspannt. Gerade wenn wieder die Synthesizer für die Massen zum Zug kommen ist Bewegung auf den Tanzflächen angesagt („Soldiers“ und „OMG“). Ansonsten sind gefühlsbetonte Nummern übrig, die im klassischen Hip-Hop-Gewand auch der Idee gerecht werden. Die Ausnahme bildet jedoch „We Will Never Be Friends“ mit poppigem Gesang und Teenager-Gitarre, das versucht, nicht in der eigenen Zuckerspur festzukleben.

Wer von The Streets erwartet, dass der harte Alltag präsentiert wird, der sucht diesmal vergebens. Alltagssituationen behandelt der britische Musiker zwar immer noch, doch dieses Mal sind wir großteils in angenehmen Gefilden. Das zeigt auch das kurze „ABC“, welches schlichtweg 70 Sekunden Spaß bringen soll. Bis auf den ein oder anderen Fehltritt sind die 70 Sekunden am Anfang des Albums auch das einzig wirklich misslungene an diesem Album, welches solide durch einen Abend führen kann, jedoch wirkliche Hits vermissen lässt. Auch mit der poppigen Note dieses Albums werden einige zu kämpfen haben, wobei der Rapper hier doch nur brav mit dem Strom schwimmt.

Anspieltipps:

  • Going Through Hell
  • Blip On The Screen
  • Lock The Locks

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