Dornenreich - Flammentriebe - Cover
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Dornenreich Flammentriebe


  • Label: Prophecy Productions
  • Laufzeit: 47 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach diesem hervorragenden Album stellt sich eigentlich nur noch die Frage wie Dornenreich sich selber toppen wollen.

Vor 15 Jahren erschien mit „Nicht um zu sterben“ das Debüt der dem Black Metal zuzuordnenden österreichischen Band „Dornenreich“. In den folgenden Jahren wandelte sich die Band jedoch mit jedem Album. Den deutlichsten Schnitt bildete dabei 2001 „Her von welken Nächten“ auf dem neben Akustikgitarren auch noch Celli und erstmals Geigen zu hören waren.

Als im Zuge der Veröffentlichung Akustikauftritte stattfanden, verschwand das Klangbild des Black Metal völlig und die Konzeption wandelte die Band eher in Richtung Akustikavantgardeband, die jedoch Sänger Jochen „Eviga“ Stock immer noch als Black Metal bezeichnet. Zwischen 2005 und 2008 wurde die Band, die zeitweise zum Duo geschrumpft war, immer minimalistischer. Umso mehr überraschte die Ankündigung, dass es mit „Flammentriebe“ ein neues Black-Metal-Album geben wird, welches allerdings das letzte dieser Form sein werde.

Neben Jochen „Eviga“ Stock sind weitere Mitglieder Dornenreichs Geiger Thomas „Inve“ Riesner und Schlagzeuger Moritz „Gilván“ Neuner, der bereits auf „Her von welken Nächten“ zu hören war, während der Akustikphase jedoch nicht zur Band gehörte. Aufgenommen und abgemischt wurde das neue Werk im Klangschmiede Studio E von Markus Stock. Das Artwork übernahm erneut Evigas Vater.

Waren auf „Her von welken Nächten“ noch kalte Farben vorherrschend, so sind es hier lodernden Farben, die hervorstechen. Hört man dem Opener „Flammenmensch“ genau zu, so erscheint es oberflächlich als ob es sich um das direkte Folgealbum zu „Her von welken Nächten“ handeln würde. Elemente wie die sägende Gitarre und der mal verstörende Fauch- und Kreischgesang sowie das druckvolle Schlagzeugspiel versetzen den Hörer zurück in das Jahr 2001. Dann flüstert und spricht „Eviga“ jedoch zur Akustikgitarre und die Geige übernimmt die Melodieführung. Hier erinnert vieles vor allem an „In Luft geritzt“ (2008). Eine Melange, die sich beeindruckend durch das Album zieht.

Ein roter Faden sind auch die anfangs schwer greifbaren Texte, die sich um Menschsein, Triebhaftigkeit, Empfindungen und Weltbilder, drehen. Dabei sind „Kraft“, „Kreis“, „Leid“ und „Lüge“ Begriffe, die neben dem Mensch an sich immer wiederkehren und damit mythisch, mystische oder philosophische Lesarten anbieten. Zudem fällt auf, dass sich ein Perspektivwechsel im Schaffen Dornenreichs vollzogen hat. Waren die vorherigen Alben vom lyrischen „Ich“ geprägt, so lenkt sich der Blick auf „Flammentriebe“ auf das fremde „Du“ bzw. auf die Gesellschaft in der wir leben.

Die Mischung aus schwarzmetallenen Riffs, energiegeladenen Drums und sich in das Klangbild perfekt einbettende, manchmal auch das Klangbild bestimmende Geigenmelodien, erzeugen eine Atmosphäre, die eine Vielfalt an Emotionen zulassen, die vor allem durch den variablen Gesang, der zwischen Schreien, Flüstern und sprechen variiert, verstärkt werden. Das abwechslungsreiche, fast schon eher rockige als metallene „Wolfspuls“ fördert dabei vor allem im instrumentalen Schlussteil eine Gänsehaut zutage. Aber auch das ungemein rhythmische „In allem Weben“ und das abwechslungsreiche „Wandel geschehe“ mit seinen ruhigen Zwischenparts, die die aggressiven Strophen umschmeicheln, wecken unweigerlich Gefühle.

Außer Frage steht das kompositorische Talent Dornenreichs. Sehr abwechslungsreich, manchmal auch mit deutlich klassischer Ausrichtung, wird der Metal-Klangteppich ausgebreitet und stimmig im rechten Moment wieder eingerollt. Das Album zieht mit seiner fesselnden Atmosphäre sofort in einen unbeschreiblichen Bann und lässt den Hörer nicht mehr los. Durch das Adjektiv welk in der letzten Zeile des Closers „ Erst deine Träne löscht den Brand“ wird letztlich ein weiterer Rückbezug auf „Her von welken Nächten“ gesetzt, der den Kreis der Black-Metal-Alben Dornenreichs beschließt

Nach diesem hervorragenden Album stellt sich eigentlich nur noch die Frage wie Dornenreich sich selber toppen wollen.

Anspieltipps:

  • Flammenmensch
  • Wolfspuls
  • Wandel geschehe
  • Erst deine Träne löscht den Brand

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