Within Temptation - The Unforgiving - Cover
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Within Temptation The Unforgiving


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Within Temptation schwingen sich in neue Gefilde. Das ist ungewohnt – schlecht aber auf keinen Fall.

Lange war es still um den holländischen Exportschlager Within Temptation. Das letzte Studioalbum „The Heart Of Everything“ (3/2007) liegt schon einige Jahre zurück, das Live-Aalbum „An Acoustic Night At The Theatre“ (10/2009) enthielt leider nur zwei neue Songs und so mussten sich die Fans gedulden. Man konnte die Tourdaten beobachten, die die Band mit ihrer Akustiktour rein durch die Beneluxländer führte, wer in diesen Genuss kommen wollte, musste eine kleine Reise in Kauf nehmen. Schade eigentlich, denn damit hätten sich bestimmt auch deutsche Hallen füllen lassen.

Im Herbst des letzten Jahres dann schließlich die ersten himmlischen Botschaften: Das Frühjahr soll ein neues Album mit sich bringen. Ja, es soll sogar Konzept haben, denn man war fleißig. Einen Comic hat man entwickelt, die Geschichte vertont. Berichte aus dem Studio und die ersten Comicseiten halten die Spannung, verkürzen die Wartezeit ein wenig. Die erste Singleauskopplung „Faster“ lässt aufhorchen, denn schon damit wird klar, dass sich die Band musikalisch in neue Gefilde aufgemacht hat. Doch was erwartet den Hörer nun im Gesamtpaket?

Fangen wir bei der Grundlage an – das Konzept. Erzählt werden soll die Geschichte eines mächtigen Mediums, Mother Maiden genannt, die ihre eigene Armee rekrutiert. Bekämpft werden soll das Böse in all seinen Formen. Alle ihre Rekruten tragen jedoch eine gewisse Schuld mit sich, weshalb das Medium ihnen die Chance gibt das was falsch war richtig zu machen indem sie ihre Aufträge erfüllen. Auf dieser Basis wurde der Comic entwickelt. In Steven O'Connel (Blood Rayne, Dark 48) wurde dafür ein Storylineschreiber gefunden, der es vor allem verstand, auf die Ideen der Band einzugehen. Romano Molaneer (X-Men, Witchblade) wurde als Zeichner der Serie an Bord geholt. So entstand die Comicserie, auf der die Tracks des Albums basieren. Anzumerken ist allerdings, dass die Serie nun in regelmäßigen Abständen auf das Jahr 2011 verteilt erscheinen wird und so das Gesamtbild der Geschichte erst im Laufe der Zeit vollständig vorliegen wird. Ein Prequel, das auf der Homepage der Band veröffentlicht wurde, gibt allerdings einen ersten Vorgeschmack.

Die drei Kurzfilme, für die Joeri Holsheimer der Band als Regisseur zur Seite stand, geben ebenfalls weitere Einblicke in Charaktere und Geschichte. Die erste Veröffentlichung war „Mother Maiden“, an die der Videoclip der ersten Singleauskopplung „Faster“ anschloss. Ebenfalls vor Release des Albums durften sich die Fans über den zweiten Clip „Sinéad“ freuen, der ebenso wie das Comic-Prequel die Geschichte der Hauptfigur Sinéad erzählt. Der dritte Film „Shot In The Dark“ ist bisher nur auf der Bonus-DVD des Albums erschienen. In den Geschmack diese Filme auch ohne Internet sehen zu können, kommen allerdings nur Käufer der Deluxe Edition.

Das Intro „Why Not Me“ hat musikalisch dank Orchesterinstrumentierung noch den mächtigen Musikcharakter der vergangenen Alben und auch die ersten Sekunden von „Shot In The Dark“ bleiben musikalisch zunächst altbekannten Traditionen treu. Doch schon allein Sharons Gesang lässt aufhorchen, denn sie singt tiefer, kräftiger, ein wenig rotziger. Spätestens im ersten Refrain übernehmen starke Gitarren zum ersten Mal die Oberhand des Arrangements, eine Neuerung, die man im gesamten Album feststellen kann. Die erste Singleauskopplung „Faster“ bestätigt das Rockerbild einmal mehr. Hier haben die Gitarren schon von den ersten Sekunden die Oberhand und Sharon beweißt, dass sie sich nicht nur in Höhen schwingen kann, sondern wirklich tief, rockig, rau und bestimmt Gesangslinien gestalten kann. „Fire and Ice“, die erstes Ballade des Albums klingt allerdings wieder ganz nach der Band, die Fans in all den Jahren kennen und lieben gelernt haben. Sie haben sich nicht völlig um 180 Grad gedreht und genau so entsteht eine homogene Mischung aus vertrauten und neuen Klängen, die durch Sharons unverkennbare Stimme vereint werden und trotz allem frischen Wind definitiv als Within Temptation identifizierbar bleiben.

Bandphotos haben schon angekündigt, dass die Zeit der verträumten Kleider vorbei zu sein scheint und sich Sharon nun weitaus rockiger gibt. Nun ist es auch musikalisch klar. Within Temptation schwingen sich in neue Gefilde. Das ist ungewohnt – schlecht aber auf keinen Fall. Es passt zur Thematik des Albums und auch irgendwie zur Band selbst. Grund zur Enttäuschung gibt es also eigentlich keinen. Es bleibt die Freude über die Wiederkehr einer starken Band in frischem musikalischen Gewand und ein starkes, wenn auch überraschendes Album.

Anspieltipps:

  • Fire and Ice
  • Sinéad
  • Murder
  • Stairway to the Sky

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