Long Distance Calling - Long Distance Calling - Cover
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Long Distance Calling Long Distance Calling


  • Label: Superball/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Scharen von Post-Rock-Hörern haben sich dem Debüt „Satellite Bay“ zugewandt, da es durch seine atmosphärischen, langen Instrumentalstücke zu beeindrucken wusste. Dieser Ansatz hat nicht tief genug gegriffen, denn Long Distance Calling haben mit ihrem Nachfolgealbum „Avoid The Light” wiederum andere Hörer angesprochen, Liebhaber verspielter aber deutlich härterer Rocktöne. Spätestens bei ihrem nun erscheinenden dritten Album wird deutlich, dass Long Distance Calling instrumentalen Rock spielen und dabei jedem Album einen anderen Akzent verleihen. Sie zeigen immer wieder andere Rockeinflüsse in ihrer Musik ohne dabei nur im Entferntesten etwas von ihrer eigenen Identität einzubüßen.

Das neue selbstbetitelte Album hat nicht die düster emotionale Tiefe der ersten Platte und auch nicht die unbändige Kraft des zweiten Werks. Vielleicht liegt es irgendwo dazwischen, vielleicht auch nicht, das ist nicht so entscheidend. Nach wie vor verliert sich die Musik in Klanggalaxien und der Zeit, aber diesmal so als ob der psychedelische Geist der 70er Rockmusik mitschwingt - energiegeladen und verträumt zugleich. Wenn gelegentlich die Gitarren explodieren und die rotzige Ader zum Vorschein tritt, wird man unsanft aus den Gedanken gerissen. Diese Dynamikwechsel sind seit jeher für die Musik des Quintetts entscheidend, bringen die plötzlichen Umschwünge neue Motive mit sich und sorgen für Abwechslung und Spannung.

Der Beginn des Albums mit „Into The Black Wide Open“ legt richtig gut los, die Folgenschweren Worte eines Dialogs „This is our planet.“ „No, it is not!“ leiten ein zum ersten musikalischen Sturm. Nach wenigen Augenblicken wähnt sich der Hörer in einer Weltraum-Odysee und die Weltallthematik in den Titeln ist tatsächlich sehr passend gewählt und erlaubt eine von vielen möglichen tieferen Bedeutungen in der Musik zu erblicken. Einen kleinen Krieg der Sterne zetteln die Musiker in „Arecibo (Long Distance Calling)“ an, wahrscheinlich ist die Arecibo-Botschaft bei den Außerirdischen, die sie empfangen haben, auf keine Gegenliebe gestoßen. Apropos Krieg der Sterne, erinnert sich jemand an Firgin D’an, den nicht ganz so hübschen Frontmann der Band Modal Notes aus Star Wars, ihm wurde der Song „The Firgin D’an Boogie“ gewidmet. Die Modal Notes sind übrigens auch eine reine Instrumentalband.

In einigen Stücken, besonders in ihren Mittelteilen, kann man das Weltall durchstreifen und erkunden, dabei wohnt man dem Phänomen bei wie das Raum-Zeit-Kontinuum von den Massen der Sterne gekrümmt wird („Timebends“) oder malt sich aus wo die schwarzen Löcher sich verstecken könnten („Invisible Giants“). Dabei fällt auf, dass Jans Bassspiel differenzierter geworden ist und immer wieder angenehm auffällt, besonders deutlich in „Timebends“, so viel Freiraum hat er sich noch nie erspielt. Einmal mehr beeindruckt Janosch mit seinem markanten Stil das Schlagzeug zu bearbeiten, ein Genuss! Trotz gewisser aufkommender Längen bieten die Tracks immer wieder interessante Motive, so dass kein einziger Song aus dem Rahmen fällt. Es dauert halt ziemlich lange das Album in seiner Gänze zu verstehen und dabei können einige wichtige Beiträge übersehen werden, wie die elektronischen Tüfteleien von Reimut. Der Rockuntergrund von Florian und die darüber schwebenden Melodien von David sind wie immer klasse.

Eins sticht aber hervor, das Können der Jungs eine Komposition auf einen Sänger maßzuschneidern. Erst nach Jans Erklärung im Interview ist klar geworden, was eigentlich auf der Hand lag, dass Long Distance Calling nicht einfach einen Sänger einladen, um ein Stück auf deren Album mit einer Stimme zu verzieren, sie komponieren es für den ausgewählten Sänger. Das war bei den ersten Alben genauso der Fall wie jetzt bei dem Song „Middleville“, dem John Bush (ehemals Anthrax, nun bei Armored Saint) richtig Leben einhaucht. Im Endeffekt ein sehr gutes Album, auch wenn es keinen großen Sprung macht wie der Vorgänger, aber es wächst mit jedem Durchgang. Long Distance Calling sind die Instrumental Rock Institution in Deutschland. Punkt.

Anspieltipps:

  • Into The Black Wide Open
  • Arecibo (Long Distance Calling)
  • Middleville

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