The Twilight Singers - Dynamite Steps - Cover
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The Twilight Singers Dynamite Steps


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Ort, an dem Licht und Dunkelheit zusammentreffen, ist auch der Ort, in dem die Musik von The Twilight Singers ihren Ursprung zu finden scheint. Wie auf dem abstraktem Artwork von „Dynamite Steps“ stehen bei der Musik diese beiden Gegensätze nahe beieinander. So hat Greg Dulli den Namen seiner Band zum Programm gemacht: Auf „Dynamite Steps“ tropft die Verzweiflung aus jeder Pore, kann nicht einfach weggewischt werden und haftet an den Songs fest, gibt ihnen ihren inneren Antrieb. Doch es gibt auch diese Momente des Aufblickens und des bitteren Lächelns: Themen vom „schmalen Grat zwischen Leben und Tod, Sterblichkeit und Unsterblichkeit, Resignation und Frohlocken“ sind auf dem fünften Album der Twilight Singers zu finden.

Die Verbindung aus dezenten elektronischen Elementen (z.B. der Drumcomputer bei „On the Corner“), reißender Gitarre („Waves“) und eher klassischen Instrumenten wie Klavier („Get Lucky“, „She Was Stolen“) oder Streicher („Get Lucky“, „Never Seen No Devil“) glückt über weite Strecken erstaunlich gut. Dies liegt auch daran, dass die Synthesizer zwar deutlich zu hören sind, aber eher eine unterstützende Funktion haben, die dunklen Stimmungen verstärken und zum Beispiel bei „Last Night in Town“ tief im Hintergrund brodeln. Dullis allgemein leicht heiserer, auch mal schräger („Last Night in Town“, „The Beginning of the End“), aber immer stark akzentuierter und emotionaler Gesang steht jedoch zu jedem Zeitpunkt im Mittelpunkt, wurde klar in Vordergrund gemischt. Das passt gut, da er überzeugend Gefühle vermitteln kann und zum Hörer durchdringt.

Es sind Aufbauten wie der von „Get Lucky“, die das Album auszeichnen: Feinfühlig verstricken sich Streicher, Gitarren und Schlagzeug im Songgeflecht und untermalen den mehrstimmigen Gesang schließlich lautstark. Auch „Gunshots“, „She Was Stolen“ oder der Titeltrack, welcher erst nach drei Minuten diese dynamische Steigerung erfährt, leben von diesem Crescendo. Dulli findet jedoch immer wieder intelligente Variationen, wodurch sich dieses Prinzip nicht abnutzt.

Was letztendlich etwas an „Dynamite Steps“ stört ist die polierte und somit leicht leblose Produktion, die dem gefühlsstarken Gesang, bei dem Dulli häufig so wirkt, als würde er gleich in die Knie gehen, gegenübersteht. Hier hätte mehr Krach und eine etwas undurchsichtigere Produktion die Songs noch aufwühlender gestaltet. Auf diese Weise klingt jedoch vieles auf dem Album nach düsterem Bombast, immerhin aber ohne überzogen wirkendes Pathos. Bei all der düsteren Stimmung bewegt sich „Dynamite Steps“ jedoch fast immer im grauen, selten im schwarzen Bereich. Denn fast alle Songs sind in ihrer Stimmung von einem dezenten Optimismus geprägt, welcher insbesondere bei „Get Lucky“ oder beim Titelstück zum Vorschein kommt. So ist „Dynamite Steps“ ein durchweg gutes und ehrliches Album geworden, das berührt, mitreißt und schlicht mit starkem Songwriting überzeugt.

Anspieltipps:

  • Waves
  • Gunshots
  • She Was Stolen
  • Dynamite Steps

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