Imelda May - Mayhem - Cover
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Imelda May Mayhem


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Drittwerk der Irin ist zwar homogen, allerdings lässt die Spannungskurve hier und da zu wünschen übrig.

„Die irische Antwort auf Amy Winehouse“ wurde sie von der Daily Mail einst geadelt, wobei man sich fragen muss, welche typisch irischen Eigenschaften Amy Winehouse nicht längst verkörpert. Doch egal, unser Augen- und Ohrenmerk gilt wieder ein mal Imelda May. Eine weitere Sängerin, die beweist, dass merkwürdige Namen zumeist unter Künstlern zu finden sind und dass Retro schon wieder und immer noch in ist. Und „in“ ist auch der einzige Ausdruck, den man der Sängerin aus Dublin verpassen darf. Ansonsten ist mit offenen Briefen seitens der britischen Fachpresse zu rechnen, die Fräulein May in höchsten Tönen loben.

Während Imeldas Debüt „No Turning Back“ den wenigsten bekannt sein dürfte, hat „Love Tattoo“ zumindest für erstes Aufsehen auch außerhalb der irischen Heimat gesorgt. Damit ist zwar in erster Linie der Rest des vereinten Königreichs gemeint, aber immerhin ein erster Schritt zur großen Bühne. Diese durfte sie inzwischen auch schon mit Eric Clapton, den Scissor Sisters, U2 (wen wundert's?), Jeff Beck, Van Morrison, Lionel Ritchie und Wanda Jackson teilen. Eine Liste, die sich durchaus sehen lassen kann für die erste Interpretin seit 20 Jahren, die im eigenen Land die Spitze der Charts erreicht hat.

Zum ersten Mal hat sich die erfolgreiche Newcomerin also direkt mit einem Plattenlabel im Rücken ins Studio begeben. Profitiert die Qualität somit oder klingt alles auf Teufel komm raus nach Geldmache? Letzteres kann man für den Moment bei Seite klingen, wenn „Pulling The Rug“, „Psycho“ und der Titeltrack sich dem Rockabilly auf ganzer Linie hingeben und hier und da psychedelischer Rock durchschimmert. Was jedoch auch auffällt, ist eine ungewöhnliche Ruhe. Die Lieder strahlen Können und Stilsicherheit, aber irgendwie fehlt ab und an ein Tick Leben. Da werden Erinnerungen an Christina Aguileras „Back To Basics“ wach, wenn „Inside Out“ zwar mit tollem Gesang, aber nicht wirklich authentischem Soundgewand den Hörer kaum aus dem Sessel reißt.

Meistens schafft es die Musik aber doch wie in „Sneaky Freak“ zu überzeugen und auch die ruhigen Ausflüge in jazzige Gefilde, wie das anschließende „Bury My Troubles“ können zumeist überzeugen. Natürlich gibt es auch dieses Mal Surfersongs mit Retrogeschmack (z.B. „I'm Alive“) und so scheint der Mix komplett, aber irgendwie ist der versprochene Mix der Genres nur von Lied zu Lied zu erkennen und nicht innerhalb der Lieder. Es heißt entweder Jazz oder Rockabilly oder Surfersounds. Da passiert es nicht selten, dass man gerade in Rockabilly-Laune kommt, nur um dann bis zu vier Stücke auf das nächste Lied dieser Sparte zu warten.

Das Drittwerk der Irin ist zwar homogen, allerdings lässt die Spannungskurve hier und da zu wünschen übrig. Fans und auch Außenstehende werden ihr natürlich in Windeseile vergeben, wenn eine sehr hörenswerte Coverversion des Coverlieds überhaupt - „Tainted Love“ - ertönt und auch „Johnny Got A Boom Boom (Radio Edit)“ ist als eine Art Erinnerung an die rauen Klänge der ersten beiden Alben mehr als erfrischend. Imelda May konnte sich nur selbst schlagen und tat dies mit einem überraschend zahmen Album. Keines der Lieder hat es verdient verpönt zu werden, aber das Album wirkt zu abgeklärt und teilweise tatsächlich gekünstelt, was besonders beim Hören von „Johnny Got A Boom Boom“ deutlich wird. „Mayhem“ findet viel zu wenig statt und verbaut einem ordentlichen Album ohne wirkliche Spannungskurve eine goldene Zukunft, wobei das ihr aktuelles Ansehen in der Branche wieder ausgleichen dürfte.

Anspieltipps:

  • Mayhem
  • Johnny Got A Boom Boom (Radio Edit)
  • Tainted Love

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