Herbert Grönemeyer - Schiffsverkehr - Cover
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Herbert Grönemeyer Schiffsverkehr


  • Label: Grönland/EMI
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Schiffsverkehr“ siedelt sich im oberen Mittelfeld der Grönemeyer-Discographie an.

Die Veröffentlichung eines neuen Albums von Herbert Grönemeyer (54) gehört zu den letzten verbliebenen Großereignissen in der deutschen Musiklandschaft, zwischen denen im Schnitt vier Jahre vergehen. Entsprechend groß ist die Erwartung beim Publikum, die es im Idealfall zu übertreffen gilt, auch wenn dies nach dem unfassbaren Erfolg von „Mensch“ (08/2002) nicht wirklich erwartet werden kann. Zudem neigt Herbert Grönemeyer zu einer stetigen künstlerischen Weiterentwicklung, die auf der einen Seite für Spannung sorgt, aber von den Hörern auch eine stärkere Auseinandersetzung mit dem „Produkt“ verlangt.

Als Vorbote zu seinem 13. Studioalbum veröffentlichte Grönemeyer den Titeltrack als erste Single und erntete damit durchaus Erstaunen. Denn die anfangs kantig wirkende und dann doch schnell im Ohr hängenbleibende Komposition von „Schiffsverkehr“ ist alles andere als schnelles Futter für die Charts. Ausgestattet mit Grönemeyer-typischen plakativ-kryptischen Textzeilen, in die sich Zuversicht, Mut und Aufbruchsstimmung hineininterpretieren lassen, meldete der 54-Jährige eine progressive Herangehensweise an das Thema Popmusik an, die der Hörer in den zwölf Liedern auf „Schiffsverkehr“ für sich erarbeiten muss.

Zusammenfassend betrachtet stellt sich „Schiffsverkehr“ als abwechslungsreiches Werk dar, das auf einem sicheren Fundament aus düsterem Synthie-Pop im Breitwandsound („Auf dem Feld“, „Kreuz meinen Weg“, „Erzähl mir von Morgen“, „November“) sowie einem Bündel aus vertrauten, berührenden Balladen steht („Deine Zeit“, „Unfassbarer Grund“, „Zu dir“, „Wäre ich einfach nur feige“). In dieser stilistischen Fahrrinne ist nur partiell Platz für Ausreißer wie dem beschwingten Country- und Westernsong „So wie ich“, der Herbert Grönemeyer von einer für dieses Album ungewöhnlich lockeren Seite zeigt.

Noch ein Ausreißer, allerdings in negativer Hinsicht, ist „Fernweh“. Ein simpler Song zum Schunkeln, der sowohl musikalisch als auch inhaltlich nicht zu den Sternstunden des Albums zählt, das bis auf den Titeltrack auf Hits verzichten muss, aber durch seine kompositorische Geschlossenheit punkten kann. Damit siedelt sich „Schiffsverkehr“ im oberen Mittelfeld der Grönemeyer-Discographie an, die weiterhin von „Mensch“, „Ö“ und „4630 Bochum“ angeführt wird.

Anspieltipps:

  • Zu dir
  • Schiffsverkehr
  • Unfassbarer Grund
  • Lass es uns nicht regnen
  • Erzähl mir von Morgen

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