Frankie Goes To Hollywood - Liverpool (Deluxe Edition) - Cover
Große Ansicht

Frankie Goes To Hollywood Liverpool (Deluxe Edition)


  • Label: Union Square Music
  • Laufzeit: 148 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Liverpool” ist das zweite und leider auch letzte Studioalbum der 80er-Jahre-Popsensation Frankie Goes To Hollywood. Es erschien Ende Oktober des Jahres 1986 und erreichte in den englischen und deutschen Charts jeweils den fünften Platz. Die LP enthielt im Original lediglich acht Songs, von denen drei als Singles ausgekoppelt wurden.

Ein Vierteljahrhundert später liegt ebenso wie schon von dem Vorgängeralbum „Welcome To The Pleasuredome“ (02/2010) eine luxuriöse Neuauflage des Werks über das Label Union Square Music vor, das sich in liebevoller Detailarbeit u.a. auch dem Back-Katalog von Madness und Nazareth angenommen hat.

Auf „Liverpool“ bohrten Frankie Goes To Hollywood ihren Sound gezielt in Richtung rockigerer Töne aus, um vor allem live eine kraftvollere Vorstellung geben zu können. Welch ein Hohn, dass sich die Band ausgerechnet auf der Tour zum „Liverpool“-Album derart in die Haare bekam, dass sie 1987 das Handtuch warf. So stehen Frankie Goes To Hollywood für eine der kürzesten aktiven Karrieren in der ersten Liga der britischen Popmusik sowie zwei Studio-Longplayer, von denen einer genial ist („Welcome To The Pleasuredome“) und der andere („Liverpool“) zumindest noch soviel Potenzial besitzt, dass ein Fortgang der FGTH-Karriere eine interessante Beobachtung geworden wäre.

Die fünf Bandmitglieder von Frankie Goes To Hollywood, unterstützt von Produzent Stephen Lipson (Simple Minds, Jeff Beck, Annie Lennox, Boyzone) reduzierten den bombastischen Sound ihres Debüts auf „Liverpool“ zwar ein wenig, doch es war immer noch deutlich zu spüren, dass hier eine Band am Werk war, die sowohl musikalisch als auch in Bezug auf ihren Lebensstil die Kerze von beiden Seiten angezündet hatte.

Die Deluxe Edition von „Liverpool“ kommt als edles 2-CD-Digipack mit einem 28 Seiten starken Booklet und über einem Dutzend Bonus Tracks daher. Für diese zusätzlichen Tracks wurden die Archive der verschiedenen Aufnahmesessions aus den Jahren 1985 und 1986 in der Schweiz, Spanien, England und den Niederlanden geplündert, wobei natürlich nicht nur essentielles Material zutage gefördert wurde, was sich z.B. in unterschiedlichen Mix-Versionen von „Rage hard“, „Warriors of the wasteland“ und „Watching the wildlife“ äußert.

Ebenfalls aufgetaucht sind drei Coverversionen von „(I can’t get no) Satisfaction“ (The Rolling Stones), „Suffragette city” (David Bowie) und „Roadhouse blues“ (The Doors), bei denen es Sänger Holly Johnson mit zwei der größten Rocksänger der Geschichte aufnimmt (der Stones-Titel ist ein Instrumental), was leider ziemlich merkwürdig klingt, so wie auch die Instrumentierung der drei Rockklassiker. Nun ja. Das kommt davon, wenn man irgendwelche Jam Sessions ausgräbt und veröffentlicht.

Auch wenn „Liverpool“ kein so großer Wurf wie „Welcome To The Pleasuredome“ war, konnte es zumindest in Ansätzen belegen, welches Talent in der Band steckte. Wie es mit der Band weitergegangen wäre, wenn sie sich nicht getrennt hätte, ist allerdings müßig zu diskutieren. Denn eine Garantie auf Genialität gibt es nicht. Und wer weiß, ob die zerstrittenen Musiker den Berg an Publikumskredit auf einem dritten Album nicht mit dem Hintern eingerissen hätten? Dann ist es wohl entschieden besser mit einem durchschnittlichen Werk wie „Liverpool“ abzutreten.

Anspieltipps:

  • Rage hard
  • For heaven’s sake
  • Watching the wildlife
  • Warriors of the wasteland

Neue Kritiken im Genre „Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
6.5/10

Halb Oder Gar Nicht
  • 2017    
Diskutiere über „Frankie Goes To Hollywood“
comments powered by Disqus