Claudia Brücken - Combined: The Best Of - Cover
Große Ansicht

Claudia Brücken Combined: The Best Of


  • Label: Union Square Music
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich habe mein Bestes gegeben!“, strahlt das Kind fröhlich und hält stolz eine weitere Fünf in den Mittagshimmel. Wenn man von einem Best-Of spricht, kann dieses Beispiel sehr hilfreich sein. Schließlich hat die Wortkopplung Best-Of es irgendwann geschafft, für wirklich jeden Musiker zugänglich zu werden. Ob nun aber Queen ein Best-Of veröffentlichen oder Revolverheld kann schon gewaltige Unterschiede aufweisen. Nicht, dass wir Claudia Brücken gleich zu Beginn etwas Schlechtes andichten wollen, doch die Band Propaganda wird doch sehr selten bis gar nicht von der heutigen Musiklandschaft wahrgenommen und von den Solowerken der Sängerin wollen wir gar nicht erst anfangen. Nicht wenige Hörer werden gar nichts damit anfangen können, selbst wenn sie eben wollten.

Nach Propagandas Auflösung 1990 widmete sich Brücken sogleich ihrer Solo-Karriere, hatte dabei allerdings nicht annähernd so viel Erfolg, wie die Düsseldorfer Band, der sie vorher angehörte. Tatsächlich hat Claudia Brücken nur ein Album herausgebracht. Die meisten der Stücke auf ComBined sind Kollaborationen mit anderen Musikern, die wie sie noch dem Elektro-Pop und Dance die Treue hielten. Durchaus große Namen wollten mit der deutschen Sängerin zusammenarbeiten, die eine Stimme besitzt, die einen sofort an „Time To Wonder“ und andere große Momente der ersten, elektronischen Ära erinnert. Paul Rutherford (Frankie Goes To Hollywood), Paul Humphreys (OMD, OneTwo) und Martin Gore (Depeche Mode) sind durchaus namhafte Vertreter ihrer Zeit, die mit Claudia Brücken zusammenarbeiteten.

Das Album bietet neben den alten „Klassikern“ auch noch neue Stücke, die zeigen sollen, dass es Frau Brücken immer noch kann. Da tun sich jedoch gleich zwei Fragen auf. Die erste stellt sich nach der Quantität: Wie kann ein Best Of, bei welchem noch neue sStücke begeistern sollen, gerade mal 63 Minuten ausfüllen? Qualitativ muss man sich fragen, ob es nun eine Kunst oder Stagnation sondergleichen ist, dass sich die neuen Lieder kein Bisschen von ihren alten Werken abheben. Der Homogenität des Albums tut es gut, jedoch ist keinerlei Entwicklung auszumachen.

Damit machen auch die neuen Songs die Hoffnung darauf zu Nichte, dass Brücken endlich doch noch den letzten, wichtigen Funken aus ihrer Musik herausholen konnte, der gerade bei der im heutigen Vergleich doch recht einfachen Musik der 90er-Poplandschaft sehr wichtig ist: Ohrwurmtauglichkeit. Die Lieder gehen zwar nahezu alle 15 problemlos ins Ohr, bleiben jedoch nicht lange im Kopf. Am Ende des Albums summt man die nächsten fünf Minuten vielleicht noch „Kiss Like Ether“, doch ansonsten bleibt nur das Gefühl, dass man mit absoluter Gewissheit 90er-Jahre-Musik gehört hat. Sogar eine satte Stunde lang hat man das, aber irgendwie wollte nichts davon so recht im Ohr bleiben. Viel mehr wird man beginnen, die großen Erfolge der späten 80er und eben der 90er zurück ins Gedächtnis zu rufen. Das ist zwar auch eine Fähigkeit, doch bestimmt nicht die, die man von einem Album erwartet. Schließlich kauft man keinen Silberling, um unbedingt einen Anderen besitzen zu wollen.

Anspieltipps:

  • Kiss Like Ether
  • Absolutely Immune
  • Night School

Neue Kritiken im Genre „Electro-Pop“
7/10

The Click
  • 2017    
Diskutiere über „Claudia Brücken“
comments powered by Disqus