Jurojin - The Living Measure Of Time - Cover
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Jurojin The Living Measure Of Time


  • Label: Electric Mud/ALIVE
  • Laufzeit: 31 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn eine Band von der gesamten Fachpresse eines Landes über den Klee gelobt wird, dann kann das meistens nur zwei gute Gründe haben. 1. Die Band ist wirklich gut. 2. Wir reden von der britischen Fachpresse. Ja, dieser Vorwurf ist wohl ein wenig überholt, doch immer noch werden wir mindestens einmal im Jahr mit einer Flut an „The Next Big Thing... Seriously!“ bombardiert. Da fällt es manchmal schwer, die richtig großen Dinger herauszufischen. Die Beschreibung zu Jurojin liest sich ebenfalls wie ein Empfehlungsschreiben mit Gütesiegel, aber man will es der Werbemaschinerie nicht so einfach machen.

Von einmaligem Klang wird da gesprochen. Seit Bands wie Dredg, Marybell Catastrophy, The Mars Volta und vielen anderen Vertretern, die man nahezu endlos auflisten könnte, ist diese Aussage natürlich zu bezweifeln. Wenn Jurojin sich jedoch in diese lange, ehrwürdige Linie einreihen könnten, dann lassen wir die Lobeshymnen gerne durchgehen. Die Wahrheit spricht jedoch leider eine andere Sprache. Die Bezeichnung Metal/Rock trifft es sehr gut. Harte Riffs und melodiöse Passagen geben sich die Hand und formen wirklich sehr schöne Tracks. „The Scar“ und „The Liar“, sowie auch „The Winter“ sind solide Rockwerke, die keine neuen Grenzen sprengen oder versuchen die Größen des Genres zu attackieren. Nein, hier geht es handwerklich klasse zur Sache und auch stimmungstechnisch wissen die Tracks zu überzeugen.

Der postmoderne und progressive Charakter, den die Presse der Band nachsagt findet sich meist klar getrennt von den harten Nummern. „Proem“ und „The Equinox“ sind beides großteils akustische Stücke, die mit Handtrommeln und fernöstlichen Saiteninstrumenten die nötige Eigenheit bekommen. In letzterem Song finden sich schon Crossover-Stellen, wobei der Rock keineswegs mit Metal zu tun hat. In der Abschlussnummer „The Dreaming“ wird der Rock mit Metal und Jazz gekreuzt. Ein weiterer Stilwechsel aus dem Nichts, der zwar nicht schlecht ist, aber bei Weitem nicht in jenem Maß zündet, als dass man es feiern müsste.

Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk dann auch schon vorbei. Von revolutionärer Struktur und ganz neuen Klanglandschaften ist allerdings nicht annähernd so viel auszumachen, wie sich Jurojin und ihre Befürworter das vielleicht wünschen. Ohne diesen Bonus ist „The Living Measure Of Time“ leider nur ein ganz nettes Rockalbum, dass für einen Vollpreis definitiv zu kurz ist. Ansätze wollen gar nicht verneint werden, aber die wirkliche Symbiose der benutzten Genres bleibt aus und damit auch die große Überraschung, auch wenn es nett ist zu wissen, dass es Bands gibt, die versuchen World Music konsequent für einen anderen Stil zu nutzen.

Anspieltipps:

  • Proem
  • The Equinox
  • The Liar

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