Guano Apes - Bel Air - Cover
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Guano Apes Bel Air


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikalisch drückt Sandra Nasic den neuen Guano Apes ihren Stempel auf, zieht man als Vergleich ihr Soloalbum „The Signal“ (2007) heran.

Würde man eine statistische Auswertung in Auftrag geben, in welchen Fällen das Comeback eines Künstlers oder einer Band auf uneingeschränkt fruchtbaren Boden gefallen ist, die Quote der gescheiterten Rückkehrversuche würde die der gelungen weit übersteigen. Trotzdem wird es immer wieder erhoffte oder unerhoffte Comebacks geben, sei es aus Geldmangel (oder auch Geldgeilheit), aus Langeweile oder aus Jux und Dollerei.

Als die Guano Apes im Sommer 2009 u.a. auf dem „Rock am Ring“-Festival ihr Live-Comeback feierten, hörte und fühlte sich das, was die Band auf der Bühne zeigte richtig gut an. Man wähnte sich in die 90er Jahre zurückversetzt, als die Guano Apes zu den größten Rockacts des Landes gehörten, bis sie sich im Jahr 2004 im Streit auflösten. Es folgten mehr oder weniger unnötige Sampler-Veröffentlichungen sowie diverse Soloversuche der einzelnen Bandmitglieder, die allesamt nur Stückwerk blieben. Doch nach besagten 2009er Live-Auftritten hatten sowohl die Band als auch viele alte Fans Blut geleckt. Die Folge: Für 2010 wurde ein neues Album der Göttinger angekündigt. Am Ende dauerte es etwas länger, doch nun liegen der Presse zumindest sieben von zehn Songs von „Bel Air“, dem mit Spannung erwartetem Comeback, vor.

„Bel Air“ wurde in Hamburg eingespielt und von Jon Schumann(Mew, Carpark North, Kent) als Produzent betreut. An der finalen Version werkelten zudem noch die Herren Tom Lord-Alge (U2, Coldplay, Oasis), Terry Date (Pantera, Soundgarden) und Randy Staub (Metallica, Nickelback) herum, damit das Werk zeitgemäß und druckvoll klingt. Zeitgemäß ist auch das Stichwort für den neuen Sound der Guano Apes, die sich auch optisch verändert zeigen. Zumindest präsentiert sich Frontfrau Sandra Nasic nicht mehr wie ein Mädchen, das mit den Jungs Fußball spielen will, sondern als junge Frau im sexy Look. Damit mag sie auf alte Fans vielleicht wie ein Fremdkörper wirken, doch Effekthascherei gehört nun mal zum Geschäft dazu.

Aber auch musikalisch drückt Sandra Nasic den neuen Guano Apes ihren Stempel auf, zieht man als Vergleich ihr Soloalbum „The Signal“ (2007) heran, das deutliche Elektro-Einflüsse hatte. Grundsätzlich sind die Apes damit poppiger unterwegs, auch wenn die erste Singleauskopplung „Oh what a night“ im Gitarrenbereich einiges zu bieten hat. Doch der Rest des Gehörten ist davon weitgehend nicht betroffen. Die Songs klingen nur mäßig rockig, weil die Gitarren von einer elektronischen Daunendecke erstickt werden, die nicht für Wärme, sondern für musikalische Kälte sorgt.

Es ergeht kein Vorwurf an die Guano Apes, dass sie nicht mehr so klingen wir vor 15 Jahren. Das wäre blödsinnig. Allerdings lassen einen die neuen Songs auch merkwürdig kalt und unberührt, obwohl sie perfekt eingespielt und produziert wurden. So ist zum Beispiel die Gesangsleistung von Sandra Nasic durchgehend als stark zu bewerten. Sie kommt fast vollständig ohne Schreien aus und lässt das Rappen sein. Doch was nützt es, wenn sich der Hörer später an kaum etwas von „Bel Air“ erinnern kann, außer an ein „Produkt“, in das offensichtlich viel Geld aber nur wenig Gefühl gesteckt wurde.

Anspieltipps:

  • Trust
  • Oh what a night
  • Fire in your eyes

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