Moi Caprice - We Had Faces Then - Cover
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Moi Caprice We Had Faces Then


  • Label: Glorious Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Huch, was ist das denn? Gerade mal sieben Monate zwischen zwei Alben? Das süß-klebrige „The Art Of Kissing Properly“ überzeugt noch immer in einigen deutschen Anlagen Fans der romantischen Rockmusik, denen „Viva La Vida“ einen Tick zu groß geraten ist. Jetzt muss man natürlich wissen, dass „The Art Of Kissing Properly“ schon vor zwei Jahren in Dänemark erschien und wann das neue Moi-Caprice-Album „We Had Faces Then“ jetzt wirklich hierzulande erscheint/erschienen ist, weiß niemand so genau. Es bleibt also auch weiterhin dabei, dass Bands aus Dänemark nur bedingt gut in Deutschland präsentiert werden.

Warum sich nach so viel Unklarheit überhaupt die Mühe machen auf dieses Album hinzuweisen? Nun, auch im neuen Jahrtausend fällt gute Musik nicht von Bäumen oder lässt sich fest einplanen. Nein, auch heute sollte man an guter Musik mitnehmen, was nur geht und trotz Unstimmigkeiten über die teilweise sehr kitschigen Lieder des Voralbums, setzen Moi Caprice auch diesmal wieder hervorragende Akzente. „They're Spies, Aren't They“ sollte immer noch zu den besten Balladen des Jahres 2008 gehören und ganz dreist gesellen sich da ein paar neue hinzu. Der Anfang mit einer wunderbaren Melodie macht „Rising And Falling Points Of Dust“. So schlecht dieser Name im Ohr bleibt, so gut tut es das Lied selbst. Feiner, intimer Soft-Rock der Spitzenklasse. Wer hier nicht in Seufzen ausbricht ist entweder ein echter Kerl und zeigt es nur nicht oder ist schlichtweg „soft-o-phob“.

„Love At Last Sight“ erinnert an amerikanische Ureinwohner und schafft es trotz arger Simplizität dauerhaft im Ohr zu bleiben. Als wäre des grandiosen Auftakts nicht genug, überzeugt auch das flotte, geschmeidige „The Devil Travels Fast“ mit echten Ohrwurmqualitäten. Nach Ecken und Kanten sucht man bei Moi Caprice – abermals – vergebens. Diese Musik soll ohne großartige Reibung zu Wonnegefühl führen und das tut sie auch. „Something Very Clouded“ dreht dann ein paar Nummern runter und nimmt sich selbst das Tempo, aber nicht den Wind aus den Segeln. Das Lied funktioniert als Ballade, erzeugt allerdings keinen so großartigen Effekt, wie das angepriesene „They're Spies, Aren't They“ vom Vorgänger. Auch „With You And Against Everything“ hält sich an das unglaublich langsame Tempo, weiß aber eine bessere Melodie als das nur ganz nette Lied davor zu präsentieren.

Die Präsentation wird mit einem Schlag besser, wenn die Schlagzahl erhöht wird und „A City Winter“ den nächsten Pop-Rock-Höhepunkt des Albums und vielleicht auch des Jahres darstellt. Hier stimmt wieder alles. Viel Gefühl, Bläser, eine Stimmung, die den Winter auch wirklich einfängt und ein Hauptmotiv zum Niederknien. So simpel, aber so unglaublich gut. Das beste Rezept aller Pop-Musiker. Danach geht es mit einer weiteren Zeitlupenballade („The Same House Seen From All Possibles Angles“) und einer viel zu glatten Pop-Nummer („Someone Spent His Life With Her“), bevor mit „We Leave Tonight“ eine Art Balladen-Western Einzug hält und spätestens beim Herz zerreißenden Finale mit viel Tam Tam, Tada und Tusch für genau die berührenden Momente sorgt, die man beim Kauf einer solchen CD erwartet.

Als Fan von ausschweifenden, langen Rock-Balladen der sanften Sorte – nochmals ein redundanter Hinweis auf „They're Spies, Aren't They“ - der wird seinen Ohren kaum glauben, wenn „Windmills“ den Schluss des Albums einläutet. Ganz klassisch steigert sich das Lied, fügt Elemente hinzu, sodass aus einem einfachen Riff ein wahrer Orkan an Musik entsteht, der die Hörer mitreißt und selbst den größten Trauerklos wieder an die Liebe, den Weltfrieden und den nächsten WM-Titel glauben lässt. Da geht die vierte, letzte und gleichzeitig beste der Slo-Mo-Balladen „Postcard Margins“ geradezu unter, rundet das Album dennoch herrlich ab. Moi Caprice haben sich abermals gesteigert und wenn die netten, aber großteils „nur“ guten Balladen noch einen Funken mehr zu bieten hätten, dann könnte man schon von einem Anwärter für die Bestenlisten des Jahres diskutieren.

Anspieltipps:

  • Windmills
  • A City Winter
  • We Leave Tonight
  • Rising And Falling Points Of Dust

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