Love Is All - Two Thousand And Ten Injuries - Cover
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Love Is All Two Thousand And Ten Injuries


  • Label: Polyvinyl/CARGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie sind schon wieder da, die Krachmacher des Nordens. Nun, Love Is All sind gewiss nicht die einzige Band, die es gerne etwas lärmend klingen lässt, doch nur wenige haben es in den letzten Jahren geschafft, dabei so authentisch und sympathisch und auch apathisch zu wirken. Neues Label, aber „same procedure as last year“ heißt es, wenn man das neue Album der Göteborger näher betrachtet. Die Lieder weigern sich weiterhin nur ungern darauf ein, die Dreiminutenmarke zu sprengen. Dazu wird sich der trotzige Gesang Fräulein Olaussons kaum geändert haben und beim Blick auf die Besetzungsliste wird auch klar, dass Synthies und Saxophon auch diesmal nicht fehlen werden. Auf zu einer neuen Runde voller lärmigem Indie-Rock aus Schweden.

Tatsächlich schließt „Bigger Bolder“ da an, wo die letzten beiden Alben schon aufhörten. Schnelles Tempo, der typische Gesang, ein leichter Garage-Sound, der den Indie-Stempel kräftig draufdrückt und natürlich gute Laune. „Repetition“ bringt dann einen sehr interessanten Rhythmus seitens Schlagzeuger Görsch, sowie geradezu italo-romantische Riffs aus der Gitarrenfraktion als neue Elemtne ein. Hat sich etwa etwas getan in der eben noch so vertrauten Klangwelt von Love Is All? Schwer zu sagen, da der schöne und gelungene Spuk nach zweieinhalb Minuten schon wieder vorbei ist.

Hinweise geben jedoch „Never Now“ und „Less Than Thrilled“, die den Anschluss bilden. Erstaunlich ruhig geht es hier zur Sache. Zwar gab es immer ein oder zwei ruhige Nummern auf den letzten Alben, aber gleich am Stück? Das ist neu. Keine lärmenden Minikrachorgien, sondern Garage-Indie-Schmuse-Rocker bilden plötzlich einen prominenten Block. Oder wird die Musik nur falsch interpretiert? „Less Than Thrilled“ beginnt mit sphärischer Gitarre, bietet dann aber einen Adrenalin geladenen Auftakt, der wiederum jedoch ganz schnell eine Melodie für die Massen durchscheinen lässt. Was ist hier passiert? Wo sind die nahezu nervenden, aber so unglaublich lebhaften Rocknummern geblieben? Anstatt dessen „oohs“ an jeder Ecke, eine klasse Melodie auf Stimm- und Instrumentalebene; man möchte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber im Fall von „Less Than Thrilled“ scheinen Love Is All einen ähnlich perfekten Indie-Rock gefunden zu haben, wie es bei The Shins der Fall war/ist.

„Early Warnings“ erinnert schon wieder mehr an ältere Stücke, hat aber diesen nötigen Respekt, der die Lieder nicht in verrückte Lärmorgien abdriften lässt, ohne geglättet zu wirken. Nachdem die letzten beiden Alben nahezu identisch waren und der Neulingsbonus verbraucht war, mussten neue Ideen her. Und sie sind da! Die Songs zünden zwar nicht immer so, wie sie es im ungestümen Gewand der Vergangenheit getan hätten („False Pretense“, „The Birds Were Singing With All Their Might“), aber man merkt noch immer, dass es sich hierbei um Love Is All handelt. Spätestens bei den Garage-Gitarren und schrägen Saxophon-Soli weiß man sich in der Soundsphäre der Schweden. Für gestandene Love-Is-All-Anhänger gibt es mit „Kungen“ und „Dust“ auch zwei Nummern, die klar auf der Spur der Vorgänger fahren und das so gut und als Reminiszenz dienend, dass man der Band so was wie Einfallslosigkeit weder eingestehen will noch kann.

„A Side In A Bed“ und das stark nach Cover riechende „Take Your Time“ sind wabernde Balladen, die nicht wirklich vom Hocker reißen, aber ebenfalls darauf hinweisen, dass eine Band neue Wege einzuschlagen gewillt ist. Das Album liefert den ein oder anderen durchschnittlichen Track zu viel, um es mit den Vorgängern aufnehmen zu können, aber Lieder wie „Repetition“, „Less Than Thrilled“ und „Early Warnings“ sind es wert, die Band auf dem Zettel zu behalten. Nächstes Mal gibt es vielleicht noch mehr gekonnte Ausflüge in dieses verheißende Indie-Land, welches „Less Than Thrilled“ uns zeigte.

Anspieltipps:

  • Windmills
  • A City Winter
  • We Leave Tonight
  • Rising And Falling Points Of Dust

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