Rumer - Seasons Of My Soul - Cover
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Rumer Seasons Of My Soul


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

So herrlich entspannt und unaufgeregt, dass man kaum eine Single finden wird, die die Aufmerksamkeit auf dieses Werk lenken könnte.

Der Oscar steht vor der Tür und wieder einmal gibt es unkende Stimmen, die bei den Oscars für die besten weiblichen Hauptrollen versuchen auszumachen, dass die größte Tränendrüse gewinnen wird. Ganz abgesehen davon, dass die nominierten Damen dieses Jahr so Einiges durchmachen mussten in ihren Filmen (z.B. Portman als schizophrene Hardcore-Ballerina), ist diese Verallgemeinerung wenn es um Frauen in der Welt der Kunst geht nichts Neues. Auch bei vielen weiblichen Sängerinnen fragt man sich nicht selten, ob außer der Stimme wirklich etwas wichtig ist, da die beliebten Stimmen der jungen Generation zumeist das einzig Wertvolle ist, dass die Künstlerin beiträgt.

Rihanna und Lady Gaga jagen ihre immens riesigen Schatten über die Musiklandschaft. Da fällt trotz großen Lobes seitens der Fachpresse gar nicht auf, wenn ein neuer Stern am Pop-Star-Firmament aufgeht. Sia blieb schließlich Zeit ihrer Karriere eine Unbekannte und hat sich jetzt ebenfalls den Dance-Gefilden ergeben und auch eine Gemma Ray wartet neben Huldigungen seitens der Presse auf kommerziellen Erfolg. Die Neuentdeckung Rumer wird mit ihrem Stil sehr wahrscheinlich auch nicht gerade die Geldbeutel des Planeten öffnen. Aber wie auch, wenn sich diese junge Frau es erlaubt ihren Jazz-Pop großteils selbst zu schreiben. Es fehlt nur noch, dass ihre Texte so provokant wie Aimee Manns wären. Stattdessen gibt es die perfekte Abendunterhaltung wie in noblen Clubs, wie wir sie aus Filmen über die blühende Vergangenheit Amerikas kennen.#

Wie in einem Nachtclub möchte man sich entspannt zurücklehnen und diese Mischung aus Jazz, Pop, Soul und Chanson. Harfe, Bläser, Soul-Gitrarre, Piano: Alles was zur Atmosphäre beiträgt ist vertreten. In England gab es als Belohnung Platz 3 und Goldstatus für das Debütalbum „Seasons Of My Soul“. In Deutschland hätte dieses Album nicht weniger Anerkennung verdient, doch dieses Album ist so herrlich entspannt und unaufgeregt, dass man kaum eine Single finden wird, die die Aufmerksamkeit auf dieses Werk lenken könnte. Von der ersten Minute an verzaubert Rumer mit ihrer glasklaren Stimme den Hörer. Sie passt sich perfekt der Stimmung der Lieder an und findet immer die richtige Tonlage. In einem Moment ist sie angenehm tief, um im nächsten in höchste öhen vorzupreschen und den Hörer mit auf musikalische Wolken zu nehmen.

Besonders schön und stark ist das Album, wenn der Jazz vorherrschend ist („Aretha“, „Thankful“), wobei das natürlich auch subjektiv ist. Andere werden sich über die ebenfalls gelungenen Soul-Arrangements freuen (das Liebeslied „Slow“ z.B.). Was fehlt, sind die Nummern die sich wirklich voneinander absetzen. Man möchte zwar keinen einzigen Song überspringen – dafür ist Rumers Stimme wirklich zu schön und die Stücke allesamt zu gut geschrieben – doch gleichzeitig ist das Album in seiner Stimmung limitiert. Ein wirklicher Kritikpunkt ist das jedoch nicht, da dieses Album eines für intime Momente, für entspannte Momente sein soll. Da brauch es keine fetzige Popnummer oder andere Sperenzchen. Einziges Manko ist also das Ausbleiben der ganz großen Melodien. Die stärkeren Lieder auf „Seasons Of My Soul“ sind sogar die unauffälligeren Stücke, wie das zauberhafte „Blackbird“. Dagegen wirkt der offizielle Abschluss „Goodbye Girl“ überzogen und ein wenig aufgesetzt. Die beiden Bonustracks sind eine nette Dreingabe und runden ein insgesamt sehr schönes Album ab, das hoffentlich den verdienten Zuspruch erfahren wird.

Anspieltipps:

  • Blackbird
  • Thankful
  • Am I Forgiven?

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