Jim Sullivan - U.F.O. - Cover
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Jim Sullivan U.F.O.


  • Label: Light In The Attic/CARGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Egal ob Elvis, Heath Ledger oder Michael Jackson: so zynisch es klingen mag, ein dramatisch-geheimnisvoller Abgang hat der Popularität von noch keinem Künstler geschadet. Doch als Jim Sullivan im Mai 1975auf der Fahrt von Los Angeles nach Nashville spurlos in der Wüste verschwand, war der Singer/Songwriter im Gegensatz zu seinen Kollegen keinesfalls am Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Nur ein Album hatte er bis dahin veröffentlicht und damit leidlich, wenn auch nicht übermäßig Erfolg gehabt. Vom Umzug in die Country-Hochburg Nashville versprach er sich neue Impulse. Doch dazu sollte es nicht kommen. Was uns heute von Jim Sullivan bleibt ist das Album U.F.O., das hierzulande bislang nur sehr schwer erhältlich war und jetzt endlich wieder einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden soll – natürlich mit den technischen Möglichkeiten unserer Zeit auf den neuesten Stand gebracht.

U.F.O. ist ein eigentümliches Werk, irgendwo angesiedelt zwischen Folk-Rock und Country, angereichert mit kryptischen Texten über Highways, die Wüste, Einsamkeit – und Ufos. Ohne die Kenntnis der dazu gehörigen Geschichte rauschen die zehn Titel der CD wohl recht unspektakulär vorbei. Die Songs sind freilich clever arrangiert und gespielt (Streicher-Intros und komplexe Rhythmik inklusive), bleiben melodiös meist aber wenig überraschend und erinnern eher an eine versoffene Studentenparty kurz vor dem Zusammenbruch, als an eine rasante Autofahrt. Ein echter „Flow“ lässt sich den Titeln aber kaum absprechen: einmal eingelegt, läuft die CD bis zum bitteren Ende durch. Und das, ohne dass etwas passiert – oder dass es langweilig wird.

Eine geradezu magische Anziehungskraft entfaltet dieses Album freilich, wenn man die Geschichte über das mysteriöse Verschwinden des Songwriters kennt. Auf einmal scheinen Songs wie der Opener „Jerome“, „Highways“ oder natürlich der Titeltrack „U.F.O.“ voll von geheimnisvollen Botschaften zu sein („Where is there I wanna go / where is where is that Jerome / He’s in a place out there, just a town out there / If you’re driving slow / Where is, where is that Jerome“), auf einmal scheint in Sullivans manchmal leicht angeschlagen wirkender Stimme eine gewisse Vorahnung zu liegen... Und überzeugte Anhänger von Ufo-Theorien mögen sich sogar fragen: „Was, wenn er es gewusst hat?“

Ob das Album auch ohne den dazugehörigen Mythos noch heute so viele Menschen begeistern und jetzt, dreißig Jahre nach Erscheinen eine Neuauflage erfahren würde, das werden wir wohl nie erfahren. Glücklicherweise funktioniert die Musik aber auch ohne die Legende erstaunlich gut. Jim Sullivans Leistung kann wohl gut und gerne als Vorarbeit für noch heute relevanten Indie-Sound verstanden werden. Und ob er derweilen mit Elvis und einer ganzen Alien-Bande Karten spielt, macht die Musik weder besser noch schlechter. Aber ganz gewiss interessanter.

Anspieltipps:

  • Jerome
  • Highways
  • U.F.O.
  • Johnny
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