Tangerine Dream - The Endless Season: The Atomic Seasons Part 5 - Cover
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Tangerine Dream The Endless Season: The Atomic Seasons Part 5


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 65 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Für viele sind sie die Bedeutendste Elektro-Band neben Kraftwerk und für viele werden sie es auch immer bleiben. Wer sein Gründungsdatum bis auf 1967 zurückdatieren kann, der wird sich das Vertrauen nicht weniger Fans erspielt haben. Wie einem Freund oder dem Stammfrisör bleibt man da auch in schweren Tagen treu. Die viel interessantere Frage ist, ob Tangerine Dream neben der letzten auch die neue Musikgeneration für ihre Klangsphären begeistern können. Die Antwort soll „The Endless Season“ geben und lässt sich dafür über eine Stunde lang Zeit.

Wo die Reise hinführt fragt man sich nicht selten bei Liedern im Stile der Berliner Schule. Langsame Aufbau und viele repetitive Momente formen meist eher Entspannungsmusik, als Musikreisen. Letztere bot Kraftwerk nicht selten, wogegen „The Endless Season“ der Konkurrenz wohl auf Reiki in Tonform aus ist. Hier wiegen einen die ruhigen Töne aus der elektronischen Nische und dazu schwirren vereinzelt wie Glühwürmer Gitarren im Hintergrund und sorgen für eine Stimmung, die irgendwo zwischen Meditation und Chill-Out liegt. Nicht okkult, aber doch ein wenig obskur geht es die gute Stunde auf „The Endless Season“.

Was soll man jetzt mit diesem Album? So wirklich entspannend sind die Songs dann auch wieder nicht, teilweise sogar nichtssagend und schlecht will man sie aber auch nicht schimpfen. Mal klingen die Arrangements zu kitschig, mal zu zurückgenommen. Keiner weiß so recht, was der nächste Song dem vorigen sagen will. Beinahe orientierungslos hört man sich durch diesen pausenlosen Reigen aus ruhigen, gleichmütigen Liedern, die alles tun, außer einem vom Hocker zu reißen – sei es vor Glück oder Enttäuschung. Da bekommt der Albumtitel eine ganz andere Bedeutung und zwar nicht wirklich zum Positiven. Schaltet man aus Versehen auf Endlosschleife, würde einem gar nicht auffallen, wann das Album neu beginnt oder aufhört.

Das hört sich geradezu vernichtend an und auch wenn es das nicht soll, wird außer Fans der meditativen Szene nicht gerade Begeisterungswellen auslösen. Tangerine Dream ist eine große Konstante in der deutschen Elektronik-Szene, aber auch an alten Denkmäler muss einmal gerüttelt werden. „The Endless Season“ hat keinerlei Berechtigung sich zu den ganz großen Titeln der Band zu gesellen und gehört ehrlich gesagt zu den Enttäuschungen, doch wer weiß wie so ein Album vor zwanzig Jahren gewirkt hätte? Egal! Musik ist ein schnelllebiges Geschäft und da sieht das neue Album der deutschen Routiniers doch ganz schön alt aus.

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