Gilbert O´Sullivan - Gilbertville - Cover
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Gilbert O´Sullivan Gilbertville


  • Label: Hypertension Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach vier Jahren Pause ist das jetzt vorgelegte Werk „Gilbertville” das inzwischen 17. Album des irischen Songwriters Gilbert O’Sullivan (64), der seit Beginn der 70er Jahre als Musiker aktiv ist und seine größte Zeit ebenfalls in den 70er Jahren hatte. Sicher auch aufgrund der lang zurückliegenden kommerziellen Erfolge wird Gilbert O’Sullivan häufig zur zweiten Garde des Songwriter-Genres gezählt, wobei der Ire in den 90er Jahren ein durchaus beachtenswertes Comeback hatte, was sich aber überwiegend auf den japanischen Markt beschränkte.

So trauert der Label-Waschzettel auch heuer um die versagt gebliebene künstlerische Anerkennung, während der Künstler Taten folgen lässt. Denn mit seinen neuen Songs möchte Gilbert O’Sullivan nach eigener Aussage unter Beweis stellen, dass seine Songs mehr Substanz haben als seine Hits aus der Vergangenheit. Dabei verzichtet der 64-Jährige komplett auf die Inspiration durch aktuelle Trends und Strömungen und verlässt sich voll und ganz auf sein eigenes Songwriting-Gespür (wobei zumindest der Bonus Track „School meals“ einen durchaus modernen Beat hat).

Das nimmt man gerne zur Kenntnis, doch wenn die Umsetzung über weite Strecken so klingt wie auf „Gilbertville”, hat es der Hörer nicht wirklich mit einem Spaßbringer von Album zu tun. Denn auch wenn O’Sullivan stimmlich den Kollegen Randy Newman und Paul McCartney relativ ähnlich ist, kann er auf musikalischer Seite nur selten richtig überzeugen. Seine Kompositionen sind in der Regel zu harmlos („Missing you already“) bzw. verspielt („Private eye“). Sie werden gerne und oft von Streichern und Bläsern verstärkt („Talking of murder“), fallen durch getragene Klaviermelodien auf („I wish something good“) oder scheitern am Versuch rockiger zu klingen („I wanna know“).

Das ist in der Masse leider nichts weiter als antiseptischer Songwriter-Pop ohne Biss und Verve, wodurch „Gilbertville” kaum Argumente bietet, weshalb Gilbert O’Sullivan in Sachen künstlerischer Anerkennung im Herbst seiner Karriere endlich einen Sprung nach vorne machen sollte. Fast möchte man meinen, dass es in der Musik wie auch im Fußball einfach den klassischen Zweite-Liga-Verein bzw. Zweite-Liga-Künstler geben muss. So ist Gilbert O’Sullivan für die Songwriter-Szene am Ende das, was Alemannia Aachen für den Fußball darstellt: Ein ewiger Fall für die zweite Liga, mit Ambitionen nach oben.

Anspieltipps:

  • I wanna know
  • Missing you already
  • One drink to many (too few)
  • Could have made it without you

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