Beady Eye - Different Gear, Still Speeding - Cover
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Beady Eye Different Gear, Still Speeding


  • Label: Beady Eye Records/INDIGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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„Different Gear, Still Speeding“ ist kein schlechtes Album, aber auch kein Himmelsstürmer wie die frühen Oasis-Werke.

Nicht dass es jemand vorher gewusst hätte, aber zumindest gespürt hat es jeder: Die Band Oasis würde eines Tages an den Egos ihrer sturköpfigen Leader Liam und Noel Gallagher zugrunde gehen und mit einem großen Knall implodieren. Genau dies ist im August 2009 passiert, als Mastermind Noel Gallagher die Notbremse zog und die Band verließ. Diese löste sich offiziell auf, gab aber im Mai 2010 bekannt, unter dem Namen Beady Eye in quasi alter Besetzung (plus Bassist Jeff Wootton) weiterzumachen.

Nun standen sie also da, die ehemaligen Oasis-Mitglieder Liam Gallagher (Gesang), Chris Sharrock (Drums), Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Gitarre) und mussten das Ding alleine wuppen. Zwar waren sie bereits am Songwriting der letzten Oasis-Alben beteiligt, doch Großtaten wie aus der Feder von Noel Gallagher waren nie darunter. Und nachdem die ersten Single-Vorboten Beady Eyes in den heimischen Charts nicht gerade Bäume ausrissen, schien sich zu bestätigen, was vorher schon klar war: Das Songwriter-Gespann Gallagher/Archer/Bell taugt noch nicht für die Champions League, in der Oasis zumindest für drei Alben mitmischten.

Der Beady-Eye-Debüt-Longplayer, mit dem wunderbar in verschiedene Richtungen interpretationsfähigen Albumtitel „Different Gear, Still Speeding“ ist auch kein Fall für die musikalische Königsklasse, kann aber wenigstens in Ansätzen als solides Rockalbum mit unüberhörbaren Reminiszenzen in Richtung Beatles, Stones, Kinks und The Who punkten. Denn zumindest lässt sich die Band eine gewisse Unbekümmertheit anmerken, die Produzent Steve Lillywhite (U2, Morrissey, Crowded House, Peter Gabriel) einfing, indem er Beady Eye zwang, ihre Stücke live im Studio zu spielen und in maximal vier Anläufen auf Band zu bringen.

Dabei vergingen drei Monate im Sommer des vergangenen Jahres, in denen 13 Tracks entstanden. Noel Gallagher hätte das Werk vermutlich um drei Stücke gekürzt, um die Konzentration des Hörers hoch zu halten und um Leerlauf zu vermeiden, der sich unweigerlich eingeschlichen hat. Doch blendet man dies aus, lassen sich ohne weiteres einige starke Stücke auf „Different Gear, Still Speeding“ finden. Da wäre z.B. gleich am Anfang der treibende Rocker „Four letter word“ und das an John Lennon bzw. die Beatles gemahnende „The roller“. Aber auch ein simple Rocksongs wie „Bring the light“ oder und „Three ring circus“ wissen zu gefallen. Dass dabei ein Track wie „Beatles and Stones“ schon allein aufgrund seines Titels eindeutigen Symbolcharakter besitzt, ist logisch. Doch auch musikalisch wirken die Querverweise mit aller Deutlichkeit, indem das Beady-Eye-Gitarristenduo seine Referenzen an The Who zur Schau stellt.

Mit etwas ziellos wirkenden Balladen wir „Kill for a dream“, lärmenden Rocksongs wie „Standing on the edge of the noise“ und dem drögem Psychedelik-Gwaber in „Wigwam“ wird der gute Eindruck leider wieder verwässert. Am Ende ist „Different Gear, Still Speeding“ kein schlechtes Album, aber auch kein Himmelsstürmer wie die frühen Oasis-Werke, wobei ein Vergleich zwischen Beady Eye und Oasis sicher unfair wäre, denn selbst Oasis schneiden im internen Abgleich zwischen ihren ersten drei und den letzten drei Studioalben eher schlecht ab.

Anspieltipps:

  • The roller
  • Four letter word
  • The beat goes on
  • Three ring circus

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