De Staat - Machinery - Cover
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De Staat Machinery


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Lo-Fi oder Alternative? Vielleicht ja sogar ein wenig Progressive oder Psychedelic?

Bring etwas Neues, wenn du auffallen möchtest. Niemandem wird auffallen, wenn eine Band zum x-ten Mal das Schema F zelebriert. Das haben sich Torre Florim und seine vier Mitstreiter aus den Niederlanden wohl auch gedacht, als sie ihre Band De Staat ins Leben riefen. Allein im Namen schwingt bei Indie-Fans eine Vertrautheit mit, weil man unlogischerweise an das White-Stripes-Album „De Stijl“ erinnert wird. Aber auch der Stil der Band hat etwas vom Lo-Fi-Rock der amerikanischen Kultband. Schräge Gitarren und Gesang der ebenfalls zwischen frisch und nervend wirkt. Die verschrobene Welt von De Staat will nach dem Debüt von 2009 ein zweites Mal die Rockfans Europas begeistern.

„Ah I See“ gibt gleich Vollgas und dürfte für schwitzende Massen von Glastonbury bis Barcelona sorgen, wenngleich der Gesang nicht wenige Ästheten abschrecken wird. Wer aber auch die oben genannten Rocker aus Detroit mag, der wird sich mit den Niederländern schnell auf einem Level finden. So aufgedreht der Opener auch ist, stellt die Vorabsingle „Sweatshop“ alles in den Schatten. Gesang, der immer noch so aufreibend und nervig ist, dass es endgültig als spezielle Kost angesehen werden muss. Strophen, die an Outcast und Black Eyed Peas erinnern, dabei aber auch maschinell wirkenden Rock setzen. Der von diversen Blättern beschriebene Vergleich mit einer Lokomotive kommt dem Sound der Band recht nahe. Immer vorwärts und immer eine Grundlage von Aggressivität. Selbst das eigentlich romantisch angehauchte „I'll Never Marry You“ hat eine metallene Kälte, die ähnlich wie Joycehotel stur geradeaus blickt, wobei eine Spur dEUS sich hereinmogelt.

Nicht ganz so progressiv wie die eben genannten Bands, aber bestimmt nicht weniger verrückt. Schreien, Reden, verzerrte Elektronik und das ein oder andere exotische Instrument verwandeln den Hintergrund von Liedern wie „Old MacDonald Don't Have No Farm No More“ in eine Szenerie aus Krach und Härte, die Spreu von Weizen trennt. Die einen werden „I'm A Rat“ als geradezu verflogene Melodie beschreiben, die den Hörer gar nicht mehr loslässt, andere werden versuchen davor zu flüchten. Das dürfte auch für die weiteren Uptempo-Stücke zählen („Tumbling Down“, „Psycho Disco“), die nichts Anderes als nickende Kopfbewegungen und verschwitzte T-Shirts zulassen möchten.

Wer sich lieber mit Musik benebelt, der wird natürlich auch bedient, wenn er sich für De Staat entscheidet. „Keep Me Home“, „Rooster-Man“ und „Serial Killer“ sind Tracks, die sehr gut beschreiben, was passiert wenn die White Stripes den Stoff von The Mars Volta vor Auftritten zu sich nehmen. Wo und warum diese Songs beginnen und enden weiß wahrscheinlich nicht mal die Band selbst. Besagte Titel treiben vor sich hin und nehmen einen mit auf eine verrückte Reise (nicht in einem Flugzeug), die so abrupt startet, wie sie aufhört. Vor lauter elektronischer und psychedelischer Spielerei ist niemandem übel zu nehmen, wenn er nach einem „Keep Me Home“ nicht mehr weiß, wo oben und unten sind.

Ist „Machinery“ jetzt Indie. Lo-Fi oder Alternative? Vielleicht ja sogar ein wenig Progressive oder Psychedelic? Mit Sicherheit kann man alleine sagen, dass das Album eine echte Maschine ist, die sich in jedem Tempo durch die Massen gräbt und dabei klar Lager entstehen lässt. Musik wie jene von De Staat liebt man oder hasst man. Wer sich mit dem fast schon Industrial-Rock letzten Endes anfreundet, der wird in gut 40 Minuten eine große Bandbreite finden. Vom ADS-Rock-Kind „Ah I See“, bis hin zum Ausklang „Back To The Grind“, welches wie die gealterte Version des Openers noch immer unverschämt klingen will, aber ein ganz anderes Tempo sein Eigen nennt. Aber der Gedanke zählt schließlich: Hauptsache Krach und aufreibend!

Anspieltipps:

  • Sweatshop
  • Keep Me Home
  • Old MacDonald Don't Have No Farm No More

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