Jolly - The Audio Guide To Happiness - Cover
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Jolly The Audio Guide To Happiness


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik wirkt durch die Verbindung von eingängigen und musikalisch abwechslungsreichen Motiven auf eine sehr direkte Art.

Das Streben nach Glück ist ein Grundantrieb des Menschen und wurde in unzähligen Publikationen thematisiert. Nun gesellt sich eine musikalische Anleitung zum Glücklichsein hinzu: „The Audio Guide To Happiness (Part 1)“. Was macht aber eigentlich typische Musik aus, die die Schiene des Glücklichseins bedienen will. Meist setzt solche Musik auf Entspannung mit ruhigen Tönen und Naturmotiven, gepflegte Langeweile sozusagen. Der „Audio Guide“ wirkt wie eine futuristische Reise, indem uns eine Frauenstimme durch vier Phasen zum Glücklichsein leitet. Die ersten beiden Phasen befinden sich auf dieser CD, also dem ersten Teil, die anderen beiden fehlen noch, obwohl sie auf dem Backcover drauf sind. Wurde hier ein Gesamtkunstwerk aus Marketing Gründen zerpflückt oder ist die Musik zum zweiten Teil noch nicht komponiert? Als nach den anleitenden Sätzen der Frauenstimme kein Vogelgezwitscher sondern Meshuggah-artige Riffs niederprasseln, macht sich ein angenehmes Gefühl breit. Glücklichsein einmal anders.

Jolly aus New York setzen auf eine ganz andere Herangehensweise, auf binaurale Töne, auch bekannt als binaurale beats. Das sind Töne, die direkt im Gehirn als Folge der Wahrnehmung von zwei separaten Tönen entstehen, die sich nur leicht in ihrer Frequenz unterscheiden. Das ist wie beim Stimmen einer Gitarre, wenn man zwei Töne auf Übereinstimmung vergleicht und sie nicht identisch sind, entsteht eine oszillierende Schwebung. Der entstehende Ton im Kopf bildet die Differenz der beiden Töne und kann Einfluss auf unseren Gemütszustand nehmen, je nach Frequenz kann so Entspannung oder Konzentration ausgelöst werden. Hirnforschung, die die Band Jolly für ihre musikalischen Zwecke einsetzt.

Einen perfekt eigenständigen Klang haben Jolly zwar nicht, dafür sind zu viele Vorbilder heraushörbar, aber ihre Stücke sind sehr reichhaltig und clever komponiert und darum stört das überhaupt nicht. Die einzelnen Instrumente agieren teilweise sehr ergänzend und im Einklang, teilweise auch kontrastreich, wenn auf der Gitarre z.B. eine sanfte Melodie intoniert wird, lässt sich der Bass nicht beirren und knallt einem weiter seine Strukturen um die Ohren. Egal ob die Musik nach vorne prescht, für kurze Momente ein paar Gänge zurückschaltet oder auch für regelrechte Prog-Metal Ausbrüche sorgt, über all dem schwebt ein melodisch harmonischer Gesang. Ihre musikalische Identität wirkt, als ob die Band eigentlich aus dem Alternative Rock kommt, aber gerne experimentiert und über den Tellerrand schaut, womit die vielen anderen Einflüsse den Weg in die Musik finden.

Unglaublich viele positive Pressestimmen haben Jolly eingeheimst, liegt das nun an der Musik des Quartetts oder doch an den binauralen Tönen, mit denen sie die Kritiker vielleicht um den Finger gewickelt haben. Wahrscheinlich ist der „Audio Guide“ kein raffinierter Plan die Weltherrschaft an sich zu reißen sondern eher eine intelligente PR-Kampagne. So oder so, die Band hat das Zeug eine wichtige Position im modernen Prog-Rock einzunehmen, sie wird ihre Nische irgendwo zwischen Porcupine Tree, Pain Of Salvation, Demians, Thrice und ähnlichen Vertretern einnehmen, denn die Musik wirkt durch die Verbindung von sehr eingängigen und musikalisch abwechslungsreichen Motiven auf eine direkte Art.

Anspieltipps:

  • Joy
  • The Pattern
  • Storytime
  • Where Everything’s Perfect

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