Kakkmaddafakka - Hest - Cover
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Kakkmaddafakka Hest


  • Label: Bubbles/Groove Attack
  • Laufzeit: 31 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die halbe Stunde von „Hest“ geht viel zu schnell um, so dass man sich nicht schämt, laut zu brüllen: KAKKMADDAFAKKA!

Was die fünf Norweger aus Bergen geritten hat, als sie sich überlegten, dass Kakkmaddafakka ein toller Bandname wäre, sollte besser ein Geheimnis bleiben. Nicht wenige Menschen werden bei so einem stupiden Bandtitel die Nase rümpfen und voreilig ihre Schlüsse ziehen. Ein Fehler, den man als Fan gepflegter Pop-Rock-Musik nicht machen sollte. Kakkmaddafakka machen schnell und unmissverständlich deutlich, dass sie eine unverbrauchte Variante von erfolgreichen Skandinavien-Combos wie Mando Diao sind. Verspielt und mit allerlei Genre-Einschüben im Gepäck erwartet den Hörer in eine knappen halben Stunde kurzweilige Kost der unterhaltsamen Sorte.

Das Album „Hest“ spottet mit seinen gerade mal neun Titeln und der kurzen Laufzeit jedem Anbieter, der einen Vollpreis für dieses Album verlangt, doch der Inhalt rechtfertigt eine gewisse Preisklasse schon wieder. Gleich der erste Track „Restless“ ist beschwingter, tanzbarer Rock, der irgendwo zwischen Retro, Indie, Pop und Rock sein Zuhause sucht. Fast schon südländisch anmutendes Piano und treibende Riffs machen eine Kategorisierung noch schwerer. Wir halten fest, dass die ersten drei Minuten wie im Flug vorüber gehen und das sollte als Qualitätsmerkmal hinreichend sein.

Bei „Your Girl“ möchte man sogar einen Hauch der Arctic Monkeys heraushören, wobei es in der zweiten Hälfte des Liedes doch wieder zu poppig wird und das Piano, welches irgendwo zwischen Jazz und Pop für die oft so optimistische Untermalung der Lieder sorgt. „Make The First Move“ macht zwar ebenfalls die britischen Vorbilder deutlich, klingt aber wieder nach Retro, Pathos und Verspieltheit. Gerade die Streicher sind in diesem Stück richtungsweisend. In einem Moment verspielt, im nächsten geradezu klassisch. Erst frivol, dann seriös. Ein bunter Mix, der tanzbaren Rock mehr als nur salonfähig macht. Danach geht es dann sogar ins musikalische Südland. „Self-Esteem (Wenga)“ klingt nach Kuschel-Karibik und dürfte bei den romantischen Vertretern der menschlichen Rasse ein zufriedenes Schmunzeln aufs Gesicht zaubern. Spätestens jetzt möchte man Kakkmaddafakka als Mischung aus den Arctic Monkeys, Mando Diao und Mika sehen (dessen „Blue Eyes“ könnte als großer Bruder des besagten Titels durchgehen).

Was so gar nicht in das Bild passen will, ist das Instrumentalstück „Heidelberg“. Die Ode an das deutsche Städtchen (einem gebürtigen Berliner sei dieser Ausdruck für Heidelberg – im besten Sinne – erlaubt) klingt zwar wieder nach Tango, wie das Piano es schon häufiger andeutete, spielt sich ansonsten jedoch in einen Rausch, der ansatzweise in progressive Gewässer ausufert. Das Stück ist allerdings so anders, dass es schon wieder passt und langweilig wird es während der drei Minuten keinesfalls. Nachdem die übliche Ballade „Is She“ in konventioneller Art mehr Bremse als Erleuchtung ist (allerdings auch nicht schlecht ist), kommt mit Touching noch so ein typischer Mando-Diao-Rocker, der altmodisch klingt, das Piano abermals als Protagonisten weiß und dafür jedoch so lebendig klingt, wie die Schweden es vor langer Zeit vielleicht einmal waren.

Das Finale kann sich ebenfalls sehen, wenn „Gangsta“ eine entspannte Reggae-Nummer bietet, die sich famos mit dem Pop-Rock der Norweger paart. Fast noch besser ist der Calypso-Auftakt des Finals „Dro So“, woraus eine weitere Mika'eske Mixtur aus der Pop-Karibik entsteht. Vielleicht wachsen in Norwegen doch Palmen oder es ist eben diese Sehnsucht nach Sonne und Palmen und Strand. Anders ist dieses Gefühl für musikalische Verspieltheit und Wärme kaum noch zu erklären, wenn es doch aus Skandinavien kommt. Diese halbe Stunde von „Hest“ geht viel zu schnell um, so dass man sich nicht schämt, laut zu brüllen: KAKKMADDAFAKKA!

Anspieltipps:

  • Dro So
  • Self-Esteem (Wenga)
  • Make The First Move

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