Killerpilze - Ein Bisschen Zeitgeist - Cover
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Killerpilze Ein Bisschen Zeitgeist


  • Label: Südpol Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Entwicklung ist zumindest teilweise spür- und hörbar.

Einstmals vor fünf Jahren auf demselben Major-Label als Parallelentwurf zu Tokio Hotel ins Chart-Rennen geschickt, ist die bayerische Punkrockkapelle namens Killerpilze inzwischen nicht nur vom Quartett zum Trio geschrumpft, sondern seit dem letzten Output „Lautonom“ (03/2010) auch zum Indie-Act degradiert worden. Vielleicht erfolgte der Schritt ins zweite Glied sogar freiwillig. So genau schaut man da bei Teenie-Bands nicht hin. Fakt ist jedenfalls, dass die Killerpilze Tokio Hotel kommerziell nie das Wasser reichen konnten.

Inzwischen sind die Killerpilze-Jungs alle volljährig, wodurch das Anspruchsdenken der Hörerschaft – vor allem an die Texte! – wachsen dürfte. Zwar scheint es nicht zu den Überlegungen zu gehören, den etablierten Bandnamen aus Kindertagen abzulegen, doch mit dieser, wenn man so will, Bürde „müssen“ auch andere Bands leben. Viel wichtiger ist, dass sich eine junge Band weiterentwickelt, etwas einfallen lässt und nicht für immer auf dem Niveau der Anfangstage hängen bleibt.

Bei den Killerpilzen ist diese Entwicklung zumindest teilweise spür- und hörbar. Auf textlicher Seite ist die Band um ernsthafte, mitunter düstere Themen bemüht, ohne den Spaßfaktor eines Rockalbums auf der Strecke zu lassen. Es können zwar keine besonderen Glanzlichter der Dichtkunst vermeldet werden und so manche Stilblüte lädt vielleicht auch zum Fremdschämen ein, doch als peinlich oder pubertär darf man die Texte nicht pauschal verurteilen. Sagen wir es so: Hier ist noch deutlich Luft nach oben!

Musikalisch kommt die Entwicklung des Trios dagegen deutlicher beim Hörer an. Die Jungs aus Bayern bauen immer wieder kleine Elektro-Spielereien in die Songs bzw. zu deren Einleitung ein („Jubel und Staub“, „So weit so gut“), sie zelebrieren mächtigen Speed-Punk („Albtrauma“) und durchaus gewitzten, Good-Charlotte-artigen Pop-Punk („Kommkomm.com“). So weit, so gut. Am prägnantesten ist jedoch ein für die Band vollkommen neues Metal-Riffing, das sich locker durch die Hälfte der Tracks zieht und eine unerwartete Härte in das Album bringt („Wenn Blicke treffen“, „Alles kaputt“, „Schicksalsscheiss“, „Morgenland“, „Marie“). Dieser Ansatz ist der Rettungsanker für „Ein bisschen Zeitgeist”, das sich textlich noch nicht sattelfest präsentiert, aber als ein weiterer solider Schritt in der Entwicklung einer jungen Band festzumachen ist.

Anspieltipps:

  • Marie
  • Zeitgeist
  • So weit so gut
  • Wenn Blicke treffen

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