Deadlock - Bizarro World - Cover
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Deadlock Bizarro World


  • Label: Lifeforce Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz der einen oder anderen halbgaren Idee und zwei mehr oder weniger überflüssigen Instrumentalstücken ist Deadlocks Fünfte ein erneuter Volltreffer.

Seit über einem Jahrzehnt dem Melodic Death Metal verschrieben, haben sich Deadlock nicht nur in Deutschland eine solide Fanbasis aufgebaut und standen mit unzähligen hochkarätigen Acts wie z.B. Lacuna Coil, Heaven Shall Burn, Caliban oder Dark Tranquillity gemeinsam auf der Bühne. Entgegen ähnlicher Genrevertreter, die den Göteburg-Sound als unumstößliche Blaupause für ihre Kompositionen verwenden und so Aufmerksamkeit erregen, geschieht dies bei den Regensburger durch kontinuierliches Aufweichen und Ineinanderfließen von stilistischen Grenzen. Anleihen holen sich Johannes Prem (Gesang, Growls), Sebastian Reichl (Gitarre), Gert Rymen (Gitarre), John Gahlert (Bass) und Tobias Graf (Schlagzeug) nicht nur aus der Techno/Trance/HipHop-Szene, sondern auch aus dem benachbarten Metalcore-Lager, das den auffälligsten Farbtupfer im Deadlock-Kosmos stellt. Wurden dort die lähmenden, klar gesungenen Passagen nach und nach an den Pranger gestellt und richteten das Genre allmählich zugrunde, ist es bei den Ostbayern genau umgekehrt und die Bitte, die Klargesangsbeauftragte Sabine Weniger stärker in den Kontext der knalligen Schwedentod-Tracks einzubauen, wurden immer lauter. Bitteschön: Hier ist „Bizzaro World“!

Beim Opener „Virus Jones“ wird aber erstmal gestutzt, denn abgesehen vom wuchtigen Beginn und anschließender Grooveattacke, die von den markigen Growls Prems gewürzt wird, verschenken Deadlock das Potential dieses anfänglichen Killertracks, indem sie Sabines immer wiederkehrende Parts mit einer süßlichen Melodie ausstatten, die die Energie der Nummer auf ein Normalmaß herabfallen lässt. Als Kontrastprogramm und kleine Erholungseinheit kredenzt der Sechser mit „State of decay“, den Song, den Paramore nie geschrieben haben, um danach mit „Falling skywards“ richtig zuzuschlagen, die Idee hinter „Virus Jones“ noch einmal aufzugreifen und sie besser zu machen. Der zweite Anlauf funktioniert mit Fear My Thoughts-Anleihen der Marke „Vulcanus“ (01/2007) deutlich besser und auch Miss Wenigers Einsatz kann stärkere Akzente setzen, sodass für jeden langsam klar werden sollte, dass er es nicht mit Mädchenmetal a la Sonic Syndicate oder Bionic Ghost Kids zu tun hat, sondern mit ausgefeiltem Songwriting, das sinnvolle Schlüsse aus der Wechselbeziehung zwischen männlicher Härte und weiblichem Feingefühl zieht.

Die „Bizzaro World“ ist zudem an ihrem Siedepunkt angekommen und mit dem schnittigen Hackschnitzel nach Göteburg Art „Earthlings“, der tiefer gestimmten Melodic Death-Ballade „You left me dead“ und der unaufhaltbaren „Brutal romance“, die lediglich vom wehmütigen Instrumental „Alienation“ gestoppt werden kann, befindet sich die fünfte Deadlock-Scheibe auf ihrem bittersüßen Höhepunkt, der mit knallbunten Pendulum-Synthies im gewagten „Renegade“ sogar noch ein wenig hinausgezögert wird. Etwas ruhiger geht es anfänglich in „Htrae“ zu, bis Sabines Wehklagen über die verschwenderische Natur des Menschen von einem längeren Wutausbruch gestört wird, der eindeutig zu lang und einfallslos geraten ist und letztendlich, ohne großen Eindruck zu hinterlassen, durch die Kollision beider Gesangspartner über das Ziel getragen wird. Der Titeltrack entpuppt sich daraufhin als von dramatischen Streicherteppichen eingehülltes Instrumental, während „Paranoia extravaganza“ eine reduzierte Pianoballade darstellt, die Sabine mit dem vollen Umfang ihres Stimme intonieren darf. Evanescence lassen grüßen!

Trotz der einen oder anderen halbgaren Idee („Htrae“, „Virus Jones“) und den zwei mehr oder weniger überflüssigen Instrumentalstücken („Alienation“, „Bizarro world“) ist Deadlocks Fünfte ein erneuter Volltreffer für aufgeschlossene Metalfans, die ihre Scheuklappen verlieren möchten oder diese schon vor Jahren abgelegt haben. Zwar weiß man gelegentlich nicht, ob sich gerade eine Metalscheibe mit hohem Popanteil im Player dreht oder umgekehrt, doch gerade weil die Regensburger diese Grenzen gekonnt verwischen, verkommt die weibliche Seite der „Bizarro world“ nie zu schmückendem Beiwerk oder kommerzieller Anbiederung, sondern bleibt ein stets sinnvoller Baustein im Hause Deadlocks. Jetzt muss der Sechser nur aufpassen, dass dieses Gefüge im Lot bleibt, denn sonst könnte der mühsam erarbeitete Erfolg urplötzlich wie ein Kartenhaus in sich zusammen stürzen!

Anspieltipps:

  • Renegade
  • Earthlings
  • State Of Decay
  • Brutal Romance
  • You Left Me Dead

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