The Strokes - Angles - Cover
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The Strokes Angles


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Angles“ ist entgegen seinem Vorgänger wieder kompakt und fokussiert, klingt frisch und setzt mehr auf Qualität denn auf Quantität.

The Strokes haben als Band eigentlich nahezu alles erreicht, was man erreichen kann: Anfang des letzten Jahrzehnts als Retter des (Garage-)Rocks und Überbringer des Retrosounds gefeiert, schafften sie es mit ihrem Debütalbum „Is This It“ (2001) in den Jahrespolls ganz nach oben und spielten als Vorband von Größen und Vorbildern wie The Rolling Stones. „Room on Fire“ (2003) schaffte zwar immer noch positive Reviews und beachtliche Verkäufe. Doch bereits mit „First Impressions of Earth“ (2006), bei dem man sich mit neuem Produzenten (Gordon Raphael wurde durch David Kahne ersetzt) an einem zeitgemäßerem Sound und kleinen Experimenten versuchte, wurde nur noch mit gemischten Meinungen aufgenommen und verkaufte sich erheblich schlechter. Dennoch waren The Strokes auch zu diesem Zeitpunkt noch der Inbegriff der Coolness.

Nur mit der Halbwertszeit, das passte es bei Julian Casablancas (Gesang), Nick Valensi (Gitarre), Albert Hammond, Jr. (Gitarre), Nikolai Fraiture (Bass) und Fabrizio Moretti (Schlagzeug) bislang nicht so ganz. Nach drei Alben innerhalb von fünf Jahren war die Band am Ende und brauchte eine, wie sie selbst sagten, dringende Pause. Weitere fünf Jahre wurden mit Soloalben gefüllt und The Strokes gerieten vollkommen aus dem Blickfeld. Kann die Band anno 2011 noch einmal mit einem aufsehenerregendem Album punkten?

„Under Cover Of Darkness“, die vorab veröffentlichte Single, zeigt The Strokes jedenfalls im allerbesten Licht: Die Gitarren von Valensi und Hammond umgarnen sich wieder so herrlich keck wie in Zeiten von „Someday“ oder „Reptilia“ und Casablancas nölt sich selbstredend durch die vier Minuten, ist aber ein bisschen mehr auf Zack. Neu sind jedenfalls die Backgroundchöre im Refrain. Dennoch ist der Song überhaupt keine Überraschung, sondern lediglich typisch Strokes. Stücke dieser Art begegnen einem auf „Angles“ wieder öfters: „Taken For a Fool”, „Gratisfaction“ und „Metabolism“ klingen zwar unheimlich frisch, und sind wie zuletzt „First Impressions of Earth“ klar produziert, sind vom Songwriting her jedoch einfach Strokes der ersten Stunde. Wer eine Revolution erwartet hatte, darf sich jetzt in die Ecke stellen und schämen.

Doch es gibt auch kleine Veränderungen neben dieser simplen, aber cleveren Neuauflage: „Machu Picchu“ eröffnet mit dezent-hüpfendem Reggae-Beat und „Two Kinds of Happiness“ strahlt mit geradlinigen Strophen und dick aufgetragenem Refrain, von dem insbesondere am Schluß das wilde Gitarrensolo hängenbleibt. Ebenso auffällig sind der gedämpfte Sound und die Loops von „You're So Right”. „Games“ bietet schillernde Elektronik im Hintergrund, bei dem entspannten „Life is Simple in the Moonlight“ möchte man sogar an 80er Wave denken. „Call Me Back“ wiederum erinnert an „Ask Me Anything“ vom dritten Album, hat aber die Gitarre und deren einzeln angespielte Saiten zum Hauptakteur.

„Angles“ ist entgegen seinem Vorgänger wieder kompakt und fokussiert, klingt frisch und setzt mehr auf Qualität denn auf Quantität. „First Impression Of Earth“ war in dieser Hinsicht möglicherweise etwas zu lang und unausgegoren. In den jetzt vorliegenden 35 Minuten werden hingegen Neuerungen genutzt, um „Angles“ nicht als kompletten Neuaufguss, sondern angenehm vielfältiges Album dastehen zu lassen. Ob es noch genug Menschen gibt, die sich im Jahr 2011 für The Strokes interessieren, wird sich zeigen. Einen Haufen guter, neuer Songs hat die Band aber auf jeden Fall im Gepäck, um noch einmal voll durchzustarten.

Anspieltipps:

  • Machu Picchu
  • Under Cover of Darkness
  • Taken For a Fool
  • Life is Simple in the Moonlight

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