Tephra - Tempel - Cover
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Tephra Tempel


  • Label: Golden Antenna/Broken Silence
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Isis Nachfolger gefälligst? Nachdem sich die wohl erfolgreichste Post/Sludge-Metal Band letztes Jahr aufgelöst hat, weil sie nach eigener Aussage am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist, muss die entstandene Lücke für einige Hörer neu besetzt werden. Die aus Braunschweig stammende Band Tephra ist ein ernstzunehmender Kandidat, sie spielen in dem Genre auf Top-Niveau und so langsam entwickeln sie sich in eine ähnliche Richtung wie Cult Of Luna und natürlich sind auch die Einflüsse von Neurosis rauszuhören. Dies soll heißen, dass ihre Musik nicht mehr strikt brutal und aggressiv daherkommt, mehr und mehr gesellen sich leisere und monoton schleppende Passagen in die Musik. Einerseits erfreulich, dass die Band keinen Stillstand duldet und sich weiterentwickelt, andererseits verliert sie einiges von ihrer kompromisslosen Art und Weise, aber allen kann man es nun mal nicht recht machen.

Diese neu eingeschlagene Richtung ist gar nicht so deutlich, wie man meinen könnte. Die ersten beiden Songs starten nach alter Manier und der Shouter Ercüment Kasalar legt voller Inbrunst los, mächtig und erschütternd zugleich, von Sänger kann wirklich nicht gesprochen werden, aber hey hier geht es schließlich um Sludge Metal und nicht um Glam Rock. Erst ab „Agra“ treten die leiseren wenn auch weiter düsteren Klänge vermehrt in den Vordergrund, der Bass pocht, die Gitarre schrubbt gedämpfte Noten, ab und zu einige Eruptionen, aber im großen Ganzen ohne wirkliche Höhepunkte. „City Immersed In Dust“ basiert lediglich auf zwei interessanten musikalischen Motiven, die wie ein Kaugummi unnötig in die Länge gezogen werden und auch bei „Seven Teeth“ passiert nicht viel aufregendes. Beides übrigens rein instrumentale Stücke. Vermisst werden diese trotz ihrer Härte sehr eingängigen Riffs, die die ersten beiden Alben so dominiert haben.

Wenn Veränderung aber heißt, dass Tephra in Zukunft mehr Songs des Kalibers „How The West Was Lost“ komponieren werden, dann kann getrost nach vorne geschaut werden. Hier fusionieren die alten und neuen Markenzeichen, indem die härteren Parts mit Shouts von einem langen instrumentalen Mittelteil aufgelockert werden, in dem der Gitarre eine freie Entfaltung gewährt wird. Auffällig ist die Namensparallele zu Led Zeppelins „How The West Was Won“ und der damit verbundene Widerspruch. In „Deadman’s Path“ ist es dann soweit, singt hier etwa Aaron Turner oder ist die Ähnlichkeit zu Isis tatsächlich so frappierend? Das ist schon etwas zu offensichtlich und in puncto Selbstständigkeit ein unnötiger Rückschritt. Vielleicht ist das auch nur das Ergebnis dessen, dass Ercüment versucht mehr zu singen als zu shouten. Der Abschluss stimmt dann noch versöhnlich mit seinen tribal-artigen Drums.

„Tempel“ fehlt eine klare Linie, es wirkt wie ein Übergangsalbum, auf dem nur die Hälfte der Songs wirklich überzeugt. Tephra befinden sich auf der Suche unter all den Ideen und ihren musikalischen Umsetzungen den richtigen Weg zu finden, der ihr nächstes Album hoffentlich wieder zu einer überzeugenden Einheit werden lässt. Einer Einheit wie das 2007 erschienene „A Modicum Of Truth“, welches, wenn auch zu Tode komprimiert, ein klasse Album mit einer ersichtlichen Ausrichtung ist.

Anspieltipps:

  • How The West Was Lost
  • Ghost
  • Tempel

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