Luttenberger-Klug - Unsere Zeit - Cover
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Luttenberger-Klug Unsere Zeit


  • Label: Universal
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Totgesagte leben länger! Nach einem qualitativ hochwertigeren, aber kommerziell kaum überzeugenden „Mädchen Im Regen“ (06/2009) gingen sich Michelle Luttenberger und Chrissi Klug nach eigenen Angaben nur mehr auf die Nerven. Eine Auszeit, ja gar eine Verabschiedung aus dem Musikbusiness wurde angekündigt, was die Fans veranlasste vehement zu protestieren, wollten sie die beiden Steirerinnen schließlich weiterhin in locker-leichten Teeniepopsongs hören. Das Resultat dieses unverhofften Neubeginns lautet nun „Unsere Zeit“!

Wie es sich für eine derartige „Comeback“-Platte gehört, scheren sich die Protagonisten hinter dem dritten Luttenberger/Klug-Album einen Dreck um die bisherigen Hörgewohnheiten der Zielgruppe und kreieren nach dem Motto „Ihr habt es so gewollt“ eine Neuausrichtung, die leider viel Schmerzen bereitet. Neben diversen Fehlgriffen wie dem redundanten Gebrauch von elektronischem Geknarze und dem übertriebenen Fokus auf die weiblichen Befindlichkeiten („Alle Männer liegen hinter mir, über mir, meist unter mir mit allem, ja allem drum und dran“ aus „Nur an mich“ oder wie im Hidden Track nach „Alles was zählt“, in dem es schlicht und ergreifend „Schlaf mit mir“ heißt), ist es aber vor allem der Einsatz des musikalischen Krebsgeschwürs Autotune („Leb diesen Traum“, „Kein Weg zu weit“), der den Hörer wie eine Faust mitten ins Gesicht trifft. Was in aller Welt hat sich Produzent Alexander Kahr (Christina Stürmer, Ludwig Hirsch, Manuel Ortega) denn dabei gedacht?

Was übrig bleibt, ist eine Handvoll netter Popsongs, die entweder gelangweilt und mit maximalem Schunkelfaktor aus den Boxen perlen („Immer wenn du schläfst“, „Bevor ich erfrier“, „Zeig mir den Weg“, „Fremder Mann“) oder mit NDW-Auswüchsen gespickt klingen als würde Nena gemeinsam mit Silbermond und Juli auf ein LaFee-Konzert gehen („Kinder des Sturms“, „Unsere Zeit“, „Verrückt“, „Sternenlichter“). Als wirklich spannend gestaltet sich nur das beatlastige „Ich lieb dich mehr“, das mit einem Gastfeature von Rapper Nazar aufwartet, das rotzfreche „Nur an mich“ („Mr. Saxobeat“ lässt grüßen) und die Powerballade „Ich sehe was was du nicht siehst“, die zwar nicht die Emotionalität eines „Sag doch einfach“ erreicht, aber immerhin aus den restlichen Kitschgebärden positiv hervorsticht. „Es ist dünnes Eis, auf dem wir uns befinden“ heißt es konsequenterweise in „Immer wenn du schläfst“. Ein besseres Fazit hätten Michelle und Chrissi für „Unsere Zeit“ nicht finden können.

Anspieltipps:

  • Nur an mich
  • Ich lieb dich mehr
  • Ich sehe was was du nicht siehst

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