Bosse - Wartesaal - Cover
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Bosse Wartesaal


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wartesaal“ ist das vierte Studioalbum von Bosse und man merkt deutlich, dass er mit ganz großen Schritten nach vorne geht.

Alles Begann vor vielen Jahren als der damals 17jährige Axel Bosse mit seiner Schülerband Hyperchild einen Plattenvertrag bei Sony Music bekam und plötzlich aus der „kleinen Nordstadt“ Braunschweig in die weite Welt zog. Nach einem kurzweiligen Erfolg mit der Single „Wonderful Life“ brach die Band schnell auseinander und aus Axel Bosse wurde Bosse. Die Solokarriere des damals noch sehr rauen Sängers begann und in kurzer Zeit erschienen seine Alben, vollgepackt mit ehrlichen und sehr persönlichen deutschen Stücken.

„Wartesaal“ ist das vierte Studioalbum von Bosse und man merkt deutlich, dass er mit ganz großen Schritten nach vorne geht. Vorbei die Zeiten in denen er von seinem „Kamikazeherz“ singt und „Niemand vermisst uns“ in die Welt hinaus ruft. Bosse ist beständig, entschlossen, ernsthaft und vor allem ernstzunehmend geworden: Das 2009 erschienene Album „Taxi“ gab bereits die Richtung vor, die „Wartesaal“ Song für Song verfolgt: Alltagsgeschichten voller Sehnsucht, Liebe und Freundschaft. Ein leichter Hauch von Melancholie, der mit beinahe jedem Lied ein kleines bisschen Wehmut zurück lässt.

„Frankfurt/Oder“ zählt zu diesen Alltagssongs: Kleingartenromantik mit Kartoffelschnaps und Bockwurst im regnerischen Frankfurt/Oder und trotzdem glücklich dabei. Egal wie und wo man ist, letztendlich kommt es doch nur darauf an, wer neben einem sitzt. Weise Worte. Denn Bosse ist kein Poser, kein Hippster: Der Wahl-Hamburger-Berliner spielt die Rolle des sympathischen Jungen von Nebenan und aus diesem Grund wirken seine Texte auch so ehrlich und authentisch. Die Geschichten, die Bosse auf „Wartesaal“ besingt, sind uns allen bekannt: Es sind die verpassten Glücksmomente, der Wunsch einfach einmal mutig zu sein und loszuziehen oder gleichsam zu flüchten. Die Sehnsucht nach einem kleinen Stückchen Harmonie und Glückseligkeit. Die erste Single „Weit weg“ fasst in wenigen Worten die Essenz all dieser verlorenen Wünsche zusammen: „Jedes Problem wird wie Luft sein.“

Emotionale Höhepunkte bietet „Wartesaal“ mit den Tracks „Yipi“, der so zart und so zerbrechlich von angsterfüllten Problemen einer Beziehung erzählt, wie auch der Abschlusstrack „Nächsten Sommer“, der so voller Sehnsucht von einer immerwährenden und nie endenden Liebe handelt. Entgegen all der Trägheit schlägt Bosse in „Du federst“ sogar ein paar positive Töne an und erweckt den Drang danach selbst durch die Welt zu „federn“ und zu fliegen.

Bosse ist einer dieser deutschen Künstler, der es schafft das Alltägliche so zu verpacken, dass der Hörer nichts weiter tun kann, als jedem seiner Worte einfach nur zuzustimmen. Entgegen Kitsch und Klischee, ist „Wartesaal“ ein ernstzunehmendes Album eines Musikers, der viel zu lange in der Versenkung musiziert hat.

Anspieltipps:

  • Wartesaal
  • Weit weg
  • Yipi

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