Devotchka - 100 Lovers - Cover
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Devotchka 100 Lovers


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Devotchka sind einer dieser Sonderfälle in der weiten Musiklandschaft. Eine Band die gegen den Strom und alle vorherrschenden Geschmäcker Trends beiseitelegt und ihr eigenes Ding durchzieht. Wenn das heißt, dass man sich musikalisch dem Osten Europas hingibt und eher an rumänischen Folk als an amerikanischen Rock erinnert, dann ist dies im Falle der Jungs aus Colorado auch erwünscht. Die Namenswahl der Band – Devotchka, das russische Wort für Mädchen – kommt schließlich nicht von ungefähr. Dabei fängt auch auf „100 Lovers“ alles so harmlos an.

„The Alley“ könnte Indie-Rock, ach, es ist Indie-Rock in Reinform. Ein emotionaler, aber nicht kitschiger, treibender Song, der keine Geheimnisse hat. Streicher, Gitarre, Schlagzeug und angestrengter Gesang. Manch einer möchte an das Debüt von Arcade Fire denken. Das klingt doch gar nicht so schlecht, auch wenn das Opening nicht ganz die Sogkraft der Genrereferenz entfaltet. Überhaupt wartet man auf die typisch exotischen Klangeinlagen erstaunlich lange. Mit „All The Sand In All The Sea“ wird noch ein richtig starker Indie-Rocker auf den Hörer losgelassen. Hier passt dann auch wirklich alles. Das Tempo ist oben, der Chorus bleibt im Ohr und die schon im Intro gute Klangkulisse weiß sich in diesem Track richtig zu präsentieren. Der Beinahe-Titeltrack „100 Other Lovers“ hingegen wirkt ein wenig aufgesetzt. Die Melodie klingt zu simpel und erzwungen, sodass der Song auf eine gewisse Radiotauglichkeit pocht.

Mit „The Common Good“ wird endlich das typisch Andere der Band geweckt. Zumindest ist das der erste Gedanke des Hörers, wenn südländische Streicher in einen Song einleiten, der sich letztendlich bis auf ein längeres Solo und die leicht variierte Instrumentalisierung kaum von den vorigen Songs unterscheidet. Es sind Feinheiten, die man heraushören muss. Viele Elemente schleichen sich in den Hintergrund und bauen mit der Zeit einen Tonteppich, der einen in ferne Länder tragen möchte. So wirklich zünden tut der Ausflug in die südlichen Gefilde aber erst in „The Man From San Sebastian“. Mit Akkordeon bewaffnet eröffnet sich ein weiterer Rocksong, der jetzt allerdings nicht nur von fremdartigen Elementen untermalt, sondern ganz und gar von ihnen getragen wird. Gitarre, Schlagzeug, Gesang und eben Akkordeon erzeugen nicht bloß einen Effekt, sondern gleich eine ganze Atmosphäre. Das und nicht weniger darf von Devotchka erwartet werden.

Tatsächlich bleiben sie den spanisch anmutenden Klängen dann auch treu. Allein „Exhaustible“ erinnert noch ein letztes Mal an die Indie-Rock-Wurzeln, bevor es wieder heißblütig zur Sache geht. Das geht dann zwar auch mal daneben, wie im aufgetragenen „Bad Luck Heels“, aber das Schlusstrio macht diesen Ausrutscher wieder gut. Egal ob „Ruthless“ als zum Tango tanzen verführende Nummer oder das in den Sonnenuntergang reitende „Contrabando“. Genau so möchte man eine Band hören, die seit jeher dafür bekannt ist, verschiedenste Genres zu Eigen zu machen. Das Instrumentalstück „Sunshine“ gibt sich dann auch noch progressiv und lässt einen schwermütigen, südländisch und australisch angehauchten Sound zurück, der den Hörer durchaus verführt dieses Album gleich noch mal zu hören. Die konventionellen und die südländischen Tracks überzeugen jeweils und somit ist für eine wirklich unterhaltsame Dreiviertelstunde gesorgt, der allein die großen Hits fehlen.

Anspieltipps:

  • All The Sand In The Sea
  • Contrabando
  • The Man From San Sebastian

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