Bap - Halv Su Wild - Cover
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Bap Halv Su Wild


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Alles halb so wild” beschwichtigt der Titel des 17. BAP-Albums. Doch schaut man sich das Cover näher an, deutet sich das genaue Gegenteil an: Eine scheinbar ausweglose Situation, an deren Ende der Tod lauern kann, aber nicht muss. Denn für den Ausgang ist letztendlich einzig und allein das Kopfkino des Betrachters zuständig.

Kopfkino ist auch das Stichwort für das neue, kurz vor Wolfgang Niedeckens 60. Geburtstag vorgelegte BAP-Album „Halv su wild“. Der Band-Vorsteher hat nämlich in inzwischen 35 Jahren des Bestehens der Kölsch-Rocker (davon 12 Jahre in der aktuellen Besetzung) dutzendfach bewiesen, dass er mit seinen Texten die Menschen bewegen und inhaltlich „abholen“ kann. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn BAP auf ihren letzten Studioalben musikalisch ein bisschen auf der Suche waren und sich neu positionieren wollten.

Mittlerweile hat sich Wolfgang Niedecken als Songschreiber endgültig als deutscher Bob Dylan mit einem Schuss Bruce Springsteen gefunden und den hemdsärmeligen Deutsch-Rock des 1999 ausgestiegenen Gitarristen Klaus „Major“ Heuser, der den Sound von Bap geprägt und beliebt gemacht hat, hinter sich gelassen. Nichtsdestotrotz sind BAP-Alben von ihrer Konzeption weiterhin eindeutig als solche erkennbar. Wer Böses dabei denkt, wird der Band vorwerfen, sich im Kern nur noch zu wiederholen. Das mag sogar sein, nur die Art und Weise kommt es an. Und diese ist auf „Halv su wild“ vollkommen akzeptabel.

Die Band verpackt die nicht selten metapherartige Singer/Songwriter-Lyrik ihres Chefs in knackige Rocksongs („Halv su wild“, „Et levve ess en Autobahn“, „Keine Droppe mieh) und hymnische Stücke („Un donoh es dä Karneval vorbei“), greift aber auch auf entspannte, mit Bläserriffs unterlegte Klänge aus dem Reggae-Fach wie im Stück „Chlodwigplatz“ zurück, das als launige Hommage an Niedeckens Heimat punktet. Und wenn er schon mal beim Thema ist, bekommt auch der 1. FC einen sanften Seitenhieb ab, schließlich ist Fußball die größte Leidenschaft, die Leiden schafft („Woröm dunn ich mir dat eijentlich ann?“).

Eine angenehm gediegene Selbstreflexion wird mit „All die Aureblecke“ präsentiert und auch das als Akustikballade beginnende „Noh all dänne Johre“, das im Laufe der knapp sechs Minuten Spielzeit immer mehr aufbraust, nimmt den Hörer mit auf die Reise in Wolfgang Niedeckens Gefühlswelten. Mit diesen Songs wird dann auch der Höhepunkt eines Werks erreicht, das sich diesmal nur wenige schwächere Stücke wie den simplen Rock’n‘Roller „Karl-Heinz“ oder das nette Schunkellied „Verjess Babylon“ leistet. Von einem Alterswerk zu reden wäre sicher noch zu früh, doch so wie die Kölner anno 2011 klingen, möchte man gerne mit der Band und ihrer Musik zusammen alt werden.

Anspieltipps:

  • Halv su wild
  • Waaat ens jraad
  • All die Aureblecke
  • Keine Droppe mieh
  • Noh all dänne Johre

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