Simeon Soul Charger - Meet Me In The Afterlife - Cover
Große Ansicht

Simeon Soul Charger Meet Me In The Afterlife


  • Label: Gentle Art Of Music
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu viele Köche verderben den Brei heißt es oft, doch auf solche Weisheiten pfeifen Simeon Soul Charger aus Ohio ganz gewaltig. Hier werde viele und noch dazu merkwürdige Angaben in Bezug auf Instrumente gemacht: Ein Eimer voller Nägel, ein Waschbrett, Djembe, Banjo, eine Dose mit Münzen, Doumbek und Mandoline sind die eindrucksvollsten Vertreter auf dieser Liste und versprechen besonders jenen die ganz genau zuhören ein besonderes Hörvergnügen. Aus diesem wilden Potpourri soll dann ein 70s-Rock gefertigt werden, der in seiner Rauheit mindestens so dreckig wie Led Zeppelin oder die neueren Vertreter (z.B. Wolfmother) klingen soll. Um dieser Machart entgegen zu kommen wollen wir auch gar nicht lange um den heißen Brei reden, sondern schauen uns das Material der Neulinge genauer an.

Ob es nun der Gesang oder die Instrumente sind: Haken und Ösen sind überall vorhanden, so dass der Hörer sich nach Lust und Laune die Gliedmaßen blutig feiern kann. Nicht hektisch, aber doch voran treibend begrüßt „Vedanta (The Nothing)“ den Hörer zu einer Stunde voller Gitarren, Retro-Gefühle und ganz vielen, kleinen Schmankerln. Bis auf typische Gitarrensoli wird mit der ersten Nummer noch nicht tief in die Trickkiste gegriffen. Dass es sich bei „God Lends A Hand“ nicht durchgehend um einfaches Schlagzeug handelt wird auch nicht jedem auffallen und so macht sich der Erste vielleicht langsam Sorgen, dass die angekündigten Exoten der Instrumentenwelt sich gar nicht so sehr hervortun, wie man es vorher vollmundig angekündigt hat.

„Through The Trees They Talk“ versucht Skeptiker zu beruhigen, indem ganz offensichtlich neue Richtungen eingeschlagen werden. Untypische Saiteninstrumente präsentieren sich in einem ungewöhnlich ruhigen Abschnitt des Liedes, welcher einen Hauch Progressivität ausstrahlt, und weisen auf das besondere Etwas der Band hin. Damit auch der letzte es versteht, gibt sich „Tooth“ ähnlich folkloristisch, wie der Hidden Track auf „Toxicity“ von S.O.A.D. und überlässt den Hörer einer so ganz fremden Klangkulisse. Noch öfter wird man entführt, gerade wenn die Laufzeiten der Lieder unter der Dreiminutenmarke bleiben. „Song Of The Sphinx“ wirkt geradezu wie ein südeuropäischer Folksong, der hier und da an amerikanische Wurzeln erinnert, sie aber immer wieder unterdrückt. Auch der kleine Bruder „Dear Mother“, sowie das Schlaflied in disguise „Child's Prayer“ zeugen von einer Bandbreite, die noch einmal von den Mammutstücken der Band entfernt sind. Keine Meisterwerke, aber definitiv mehr als eine bloße Ergänzung sind diese akustisch dominierten Stücke allemal.

Die übrigen Songs, die sich ausnahmslos weigern die 6 Minuten zu unterbieten. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht einfach nur um ausgedehnte Rocker frei nach den Vorbildern der wilden 70er, sondern es finden sich auch kratzende Balladen („Please“) und wieder undefinierbarer Folkrock („Into The Afterlife“). Typisch untypisch geht es dann bei den Progressivrockstücken zur Sache („And He Skinned Them Both“ und „Europa's Garden“). Lange Riffs, schnell, langsam, langsam, langsam, schnell, Soli, Gesang, Instrumental, Beides, keines von beidem: Das Schema F der progressiven Musik. Wer dieser Sorte von Musik im Allgemeinen zusagt, der wird auch hier kein großes Meckermaterial ausmachen können. Dazu gibt es noch das überlange Finale „The Swallowing Mouth“, dass nach einer gruseligen Reise quer durch einen Zirkus klingt und den Hörer so unangenehm verfolgt, dass man lieber nicht gleich nochmal die volle Packung haben möchte. Das ist allerdings auch kein Problem, da Simeon Soul Charger bei ihrem Debüt davon leben, einen echten Brocken auf den Markt geworfen zu haben, an dem es immer wieder neue Ecken zu entdecken gilt.

Anspieltipps:

  • The Swallowing Mouth
  • Song Of The Sphinx
  • Into The Afterlife

Dieser Artikel ging am um 10:20 Uhr online.
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Deep Purple
Hard Road: The Mark 1 Studio Recordings 1968-1969

  • 2014    
Diskutiere über „Simeon Soul Charger“
comments powered by Disqus

Einfach losschreiben!

X

Ergebnisse: