Stephan Bodzin Vs. Marc Romboy - Luna - Cover
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Stephan Bodzin Vs. Marc Romboy Luna


  • Label: Systematic Recordings
  • Laufzeit: 364 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation ist es ein Zeichen von Romantik und Liebe, wenn ein Mann einer Frau Poesie oder Kunst jeglicher Art widmet. Hierbei kann es sich um ein einfaches Liebesgedicht, eine Ballade, aber auch ein Bild handeln. Gerade in letzterem Fall kann man leicht Unterschiede des Interpreten ausmachen, denn wo der eine ein vor Herzen und Regenbögen strotzendes Bild ablieferte, widmet wieder ein anderer seiner Angebeteten Kunst à la Picasso. Geschmäcker sind verschieden und auch die Art, wie man Gefühle ausdrückt. Warum sollte ein Death Metaller nicht eines seiner gelungensten, aber auch härtesten Stücke seiner Tochter vermachen? Denken wir an Thom Yorke, der sein kaltes „The Eraser“ einem seiner Kinder widmete. Musiker, die stolz auf ihren Kunst sind, haben ihre eigenen Denkweisen.

Diese Weisheit gilt auch für Marc Romboy und Stephan Bodzin. Ersterer widmet Tochter und Letzterer Ehefrau Luna das gleichnamige Album. Wer hört, dass die beiden Freunde ein musikalisches Experiment zwischen Clubsound und Electronica der alten Schule planen, der kann sich schon denken, dass die Widmung keine übliche im romantischen Sinne ist. Ein weiteres Mal darf man sich fragen, ob solche Musik in die Lounge oder den Club gehört, doch wie so oft sollte das bei hoher Qualität kein Streitpunkt sein. Außer der ästhetischen Note, die damit glänzt, dass die Titel elf verschiedene Namen von Monden unseres Sonnensystems tragen, glänzt das Album jedoch auch in der A-Note. Wenn das Cover den ein oder anderen Hörer mit mysteriöser Kälte vielleicht noch abschrecken mag, wirkt die gewollt altmodische, aber hochglanzpolierte Musik vom ersten Moment wie ein Virus. Jeder Fan von guter Lounge-Musik, die durchaus tanzbar sein darf, dürfte schon nach wenigen Minuten nicht mer still stehen oder sitzen können.

Seit langem ist „Luna“ ein Album, welches vom Fakt profitiert, dass es im Hintergrund laufen kann. Die Lieder sind nicht überladen und die wenigen, präzise eingesetzten Elemente spielen sich immer so in den Vordergrund, dass diese Musik nie ihre Wirkung verfehlt. Wer den Soundtrack zu „Tron: Legacy“ bereits gehört hat, wird sogar einige Stilmerkmale wieder erkennen, die schon Daft Punk für den Film-Soundtrack nutzte. Kein schlechter Vergleich, wenn man bedenkt, dass der Soundtrack des Films noch eine der klaren Stärken war. Neben den sowieso schon ziemlich minimalistischen Stücken bietet das Album zudem noch einige „Synthapella“-Stücke. Diese Art von Stück basiert auf nicht viel mehr als einem Loop, der in verschiedenster Form durch den Rechner geschleudert wird. Was zum Beispiel in „Phobos“ aus nicht viel mehr als einem Ton entsteht ist für Feinschmecker etwas Besonderes und auch dieser Track könnte einfach im Hintergrund laufen, da genug Passagen aus einem Ton eine echte Klangwand schaffen, die wieder auf das Parkett lockt.

Knapp 80 Minuten lang geht der Reigen, der genau rechtzeitig sein Ende findet. Das Album trägt die zeit mühelos und macht bis zum Ende hin Spaß und wer danach immer noch nicht genug von den Arrangements des Duos hat, der kann die CD entweder gleich von Neuem hören oder sich über die insgesamt 37 weiteren Stücke auf den beiden Bonus-CDs hermachen. Eine Vielzahl an Remixen wird geboten, sodass es nach hören der 364 Minuten nahezu unmöglich sein dürfte, nicht mindestens eine der Versionen zu „Phobos“, „Callisto“ oder „Hydra“ zu mögen. Ein kluger Gedanke, die zusätzlichen Stücke in einem Bundle gleich mitzuliefern, da Musik für Lounges und Clubs sowieso in allerhand Variationen gehört wird, ohne dass man genau weiß, welcher Remix gerade gespielt wird. Marc Romboy und Stephan Bodzin geben diese Informationen plus das Klangerlebnis gleich mit, was Abwechslung für Fans bedeutet und auch Laien werden sich an manchen Interpretationen der Stücke eventuell mehr erfreuen. Gehobene Unterhaltung ist also für einige Zeit garantiert. Wer das Pech hat und diese Art von Musik wirklich mag, der wird lange beschäftigt sein.

Anspieltipps:

  • Phobos
  • Miranda
  • Luna

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