The Love Bülow - Menschen Sind Wie Lieder - Cover
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The Love Bülow Menschen Sind Wie Lieder


  • Label: Mam Records/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein?“

Manche Stilrichtungen kommen mal auf, können sich aber nicht wirklich halten. Sie passen entweder einfach nichts in die Zeit oder entlarven sich selbst als nicht wirklich funktional. Wozu man die Mischung aus Rap/HipHop und emotionalem Rock zählen muss, weiß man nicht so ganz genau. Zu Beginn des Jahrtausends gab es eine handvoll Gruppen, die sich an diesem Genre-Mix versuchte, allerdings nicht mit dauerhaftem Erfolg prahlen konnten. Heute findet man noch weniger Vertreter dieser Sparte und eine dieser rar gesäten Bands hört auf den Namen The Love Bülow. Woher das nicht unbedingt zeitgemäß wirkende Projekt herkommt verrät der Name bereits, doch allen Nicht-Berlinern sei gesagt, dass es sich bei Bülow um einen Stadtteil der Hauptstadt handelt. Wo auch sonst gibt es so viele Musiker, dass auch solche Ideen wie „Indie-Rap“ sich durchsetzen?

„Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein?“ ist eine nicht gerade unbekannte Textzeile aus „Jein“ von Fettes Brot und Fettes Brot sind eben der Beste Vergleich (wenngleich im Großformat) mit The Love Bülow, da auch die Hamburger nicht selten Rockelemente in ihre Lieder mixen. Plötzlich scheint das Format der Berliner gar nicht mehr so einfallsreich, aber doch gehören sie immer noch zu einer Nische, einer Minderheit und – wer weiß – eventuell einem kommenden Trend. Die größere Rücksicht auf Indie-Rock im instrumentalen Bereich sollte zumindest andere Pfade als jene der Nordlichter ermöglichen. Ob diese Pfade mitten in die Pampa führen oder durchaus erfolgversprechend sind gilt es nun herauszufinden.

Der Begriff „Indie-Rap“ darf zu Beginn so stehen bleiben. Die beinahe schon kitschigen Eröffnungslieder Du Schweigst“ und „Lieblingslied“ sind poppig und gerade ersteres Lied hat spätestens nach Einsatz der Streicher seinen Ruf weg. Auch „Kein Problem“ reiht sich brav in die Klangwelten von Revolverheld und Co. ein, ohne für großartige Überraschungen zu sorgen, wenn man von den Rapanteilen in den Strophen absieht. Allerdings hat die Band auch noch ein zweites Gesicht. Dieses ist auf Funk und Spaß aus und wenn „Links, Rechts, Oben, Unten“ noch nach Oldschool klingt, ist „Dancen“ ein Track, der sich seine Grundideen bei Jamiroquai abgeschaut hat und „Sonntag“ umarmt endgültig den Elektro-Rap-Rock der letzten Fettes-Brot-Werke.

Auch in „Du Kennst Mich Nicht“ und „Kompass“ sind die verspielten Elementen, die mehr zu Tanz als Kopfnicken einladen nicht zu verneinen. Gerade ersteres Lied klingt geradezu heißblütig und südländisch. In der zweiten Hälfte des Albums lassen sich zudem Songs ausmachen, die das Love im Bandnamen rechtfertigen möchten. „Atmen“, „Junkie“ und „Menschen Sind wie Lieder“ sind nachdenklich und wollen berühren, wobei der Sprechgesang bis heute vielen dafür nicht passend scheint. Wer allerdings auch sonst die romantischen Züge bei HipHoppern und Rappern zu schätzen wusste, der wird hier angenehme Mischungen aus Pop und Rap finden. Textlich ist alles auf gutem Niveau und gerade nach heutigen Standards dürfen auch The Love Bülow sich Wortakrobaten nennen, auch wenn die ganz großen Ideen ausbleiben. Musikalisch wie textlich wird solide Kost geliefert und aufgrund ihrer Stellung, die nahezu eine Ausnahme bildet, haben die Berliner ein Stück Aufmerksamkeit verdient.

Anspieltipps:

  • Du Schweigst
  • Dancen
  • Menschen Sind Wie Lieder

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