Vessels - Helioscope - Cover
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Vessels Helioscope


  • Label: Make My Day Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Vielen lieben Dank im Voraus an Vessels, die britische Rockband, die mit ihrem zweiten Album „Helioscope“ vollbringt, was immer noch viel zu wenige Musiker schaffen. Sie verbinden progressive Elemente mit einfacher Rockmusik und schaffen es neben den berühmt berüchtigten Prog-Brocken sich in Gehörgänge zu fräsen, ohne dass die Ohren erst eine Ausbildung für ihre Musik brauchen. Zumindest ab und zu ist dies der Fall. Auch Vollblut-Rock-Akrobaten kommen auf ihre Kosten, aber bevor wir uns Lob ertränken, wollen wir zuallererst beobachten was für ein Meer an Klängen uns denn nun wirklich erwartet.

Oceansize lädt sie auf ihre Tour ein und schon werden die ersten Stimmen laut, dass es sich hier um ähnlich laute Krachgebilde aus Klängen handelt, wie auch die Gastgeber sie spielen können. Vessels verstehen sich auf ihrem neuen Album jedoch vielmehr als Künstler, die nicht mit Kontrasten, sondern einem Gesamtkunstwerk glänzen wollen. Ihr Debüt von 2008 „White Fields & Open Devices“ zeigte das klassische Schema der Tonachterbahn, wie man sie von vielen Prog-Bands kennt: Laut, leise, leise, laut, richtig laut, leise, laut. Immer wieder neu gemischt und handwerklich sehr gut vorgetragen hätten die Briten einfach so weitermachen können, doch mit „Helioscope“ hieven sie sich selbst ins neue Jahrzehnt.

Gleich „Monoform“ ist ein ruhiger, aber bestimmter Windzug, der über die Musikszene hinweg zieht. Percussions, Elektronik und Gitarren ergeben einen aufwühlenden und interessanten Klangmix, der sich ohne einen einzigen Augenblick von Langweile verschlingen lässt. Zwar richtet dieser Instrumental-Track sich selbstverständlich an die üblichen Prog-Rock-Fans, doch das sei bei so einem gelungenen Stück kein Kritikpunkt. Wer sich nach mehr solcher Musik sehnt, der wird in „The Trap“, „Later Than You Think“ und „Art/Choke“ gleichermaßen verwöhnt. So frisch und frei und doch einem klaren Muster zuzuordnen sind nur wenige Tracks, die sich sonst progressiv schimpfen dürfen. Besonders das treibende Schlagzeug und die Elektronik geben ganz eigene Noten bei, zu den sphärischen Gitarren, die selbstverständlich das Bild der lauteren Passagen prägen.

So gut dieser Teil des Albums bereits geworden ist, ist die eigentliche Überraschung jedoch der Teil, wenn die Band versucht ihrer britischen Herkunft in Indie-Rock-Genre gerecht zu werden. In Titeln spiegelt sich der Spaß in „Recur und Heal“ wider. Legere Gitarren, weicher Gesang und klare Strukturen erinnern nur noch in den Ausklängen der Lieder an die vorigen Prog-Stücke. Gerade letzteres Lied explodiert nach Hälfte der Laufzeit geradezu und überzeugt als Mischung aus Indie und Prog. Aber auch wenn diese Tracks leichter ins Ohr gehen, sollte man sie eher als Hinführung zum Prog sehen und nicht als Anbiederung an den Markt. Gerade „All Our Ends“ zelebriert den Einstieg von luftigem Indie-Roock zu krachendem Progressiv-Rock.

Um das Album abzurunden, gibt es noch ein unauffälliges Instrumentalstück („Heal“) und mit „Meatman, Piano Tuner, Prostitute“ und „Spun Infinite“ zwei Prog-Balladen, die weitestgehend ohne Crescendo auskommen, sondern dafür mehr mit den kleinen Details gerade elektronischer Seite überzeugen. Es ist also noch nicht alles perfekt: Die Indie-Parts könnten noch besser zünden und auch die Balladen (besonders der Schlusspunkt „Spun Infinite“) entbehren sich auf lange Sicht zu sehr der progressiven Wurzeln der Band. Insgesamt bleibt jedoch ein gelungenes zweites Album stehen, das besonders durch die moderne Sicht auf progressive Rockmusik zu gefallen weiß.

Anspieltipps:

  • Monoform
  • Art/Choke
  • Meatman, Piano Tuner, Prostitute

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