The View - Bread And Circuses - Cover
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The View Bread And Circuses


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bread And Circuses“ ist das dritte Album der immer noch sehr jungen Schotten The View, die im Jahr 2007 mit ihrem ersten Album „Hats Off To The Buskers“ gehyped wurden und es damit auch an die Spitze der britischen Charts schafften. Außerhalb von Großbritannien war den Jungs Kyle Falconer (Gesang, Gitarre, Klavier, Glockenspiel), Kieren Webster (Bass), Pete Reilly (Gitarre) und Steven Morrison (Schlagzeug, Percussion) jedoch nie allzu großer Erfolg vergönnt und auch in ihre Heimat brannte die Flamme des Erfolgs lediglich kurz auf. Zwar konnte sich auch der Nachfolger „Which Bitch?“ (2009) ebenfalls in den Charts platzieren, den Platinerfolg des Erstlings jedoch nicht wiederholen und verschwand dann auch wieder allzu schnell. Auf „Bread And Circuses“ klingen The View, die auf ihrem ersten Album mit Hits wie „Wasted Little DJ's“ noch lässig und unbesorgt drauflosrockten, zwar vielfältig und melodiestark, jedoch auch viel zu glattgebügelt und austauschbar.

Letzteres suggerieren schon beliebig wirkende Titel wie „Girl“, „Life“, „Friend“ oder „Sunday“. Doch das soll noch nichts heißen und schließlich beginnt „Bread And Circuses“ mit einem Kick-Start von einem Song: Zunächst erklingt lediglich verhallter Gesang, der als kurze Einleitung für einen ungestüm und unwiderstehlich losrockenden Power-Pop Song fungiert. Das kurzweilige Stück hat einen wunderbar eingängigen Refrain, in den Strophen kommt Falconers schottischer Akzent zum Tragen, der sicher nicht jedem positiv auffallen mag. Doch bereits mit „Underneath The Light“ wird es schwächer: Es gibt nichts, was den Song in irgendeiner Form auszeichnet oder hervorhebt, The View klingen hier einfach wie eine weitere Gitarrenpop-Band von Übersee. Dieses Dilemma setzt sich in späteren Songs fort: Erinnerte die Band anfangs noch zum Beispiel an The Kooks oder die frühen Arctic Monkeys, klingen sie bei „Life“ unnötig aufgebauscht mit dem Klavier und den dicken Oasis-Streichern, die dazu auch noch völlig unnötig sind und wenig zum Song beitragen, außer ihn in die Breite zu strecken.

Wäre der Off-Beat und das anschließende Country-Schlagzeug bei „Girl“ nicht so unpassend und albern, hätte ein guter Song draus werden können. Fraglich bleibt auch hier, was das Akkordeon, welches kurz im Hintergrund auftaucht, wichtiges zum Lied beiträgt. Am Ende des Albums, bei Stücken wie „Walls“ oder „Happy“, klingen The View dann zeitweise wie die brave Version von The Libertines, Mundharmonika inklusive. Die eingangs angesprochene Beliebigkeit wird an Stellen wie diesen besonders deutlich: The View schreiben zwar passable und teilweise gute Songs, ihnen mangelt es aber einfach an Persönlichkeit. Zum Glück spielen die vier Jungs bei Liedern wie „Blondie“ oder „Sunday“ ihre Stärken vom Beginn der Platte aus und retten ihr Album so vor dem Untergang.

Doch „Breads And Circuses“ hat zu viele Mängel, um sich vollständig aus dem Schlamassel zu ziehen: Die geisterhafte Identität der Band, die viel zu dick aufgetragene Stadionrock-Produktion und die überwiegend zweitklassigen Stücke ziehen das Album weit nach unten. Selbst positiv hervorstechende Songs, bei denen die Band wieder unbefangen mit wenigen Mitteln wie elektrischer sowie Akustigitarre, Backgroundchören und einer netten Melodie rocken, zünden nicht wirklich. Mit dem versteckten Outro nach „Best Lasts Forever“ könnten sie dann schlussendlich auch tatsächlich eine Zirkusshow begleiten. „Bread And Circuses“ ist somit wie ein Clown, der mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit ringt, bei all dem Eifer jedoch vergisst, witzig zu sein.

Anspieltipps:

  • Grace
  • Tragic Magic
  • Sunday
  • Best Lasts Forever

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