Funeral For A Friend - Welcome Home Armageddon - Cover
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Funeral For A Friend Welcome Home Armageddon


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dermaßen wenige Höhepunkte gab es auf bislang keiner Platte der Waliser.

Relevant zu bleiben ist schwer! Mussten schon Jimmy Eat World diese bittere Pille nach ihren beiden Alben „Chase This Light“ (10/2007) und „Invented“ (09/2010) schlucken, die einfach nicht mehr an die Genialität der selbstgeschaffenen Meisterwerke „Clarity“ (08/2002) und „Futures“ (10/2004) rankamen, hatten Funeral For A Friend mit diesem Umstand praktisch seit ihrem vielfach anerkannten Debüt „Casually Dressed And Deep In Conversation“ (11/2003) zu kämpfen. Nahezu jede anschließende Veröffentlichung stand im Schatten der sowohl ungeschliffenen, als auch offenkundig melancholischen Darbietung des Erstlings des walisischen Fünfers, der die Eckpfeiler Emocore, Rock und Post Hardcore auf einzigartige Weise miteinander verband und für den Hörer jede Sekunde zu einer erinnerungswürdigen Berg- und Talfahrt voller Emotionen machte.

Hours“ (06/2005) und „Tales Don´t Tell Themselves“ (05/2007) hatten demzufolge einen schweren Stand bei den Fans, denn die fortschreitende Verlagerung zu eingängigeren Strukturen und der Wegfall heiserer Schreiattacken fassten viele als Verrat an die Anfangstage der Band auf und kehrten ihnen den Rücken, sodass der schleichende Neubeginn mit „Memory And Humanity“ (10/2008) großteils unbeachtet sein Dasein fristete, obwohl darauf eine gelungene Rückbesinnung unter Berücksichtigung des Songwritings der rezenten Diskographie einsetzte. Das war Matthew Davies-Kreye (Gesang, Gitarre), Kris Coombs-Roberts (Gitarre), Gavin Borrough (Gitarre), Richard Boucher (Bass) und Ryan Richards (Schlagzeug) offensichtlich nicht genug. Ein effektiveres Paket musste her, dass alle verirrten Schäfchen zurück in die Arme des walisischen Acts treiben soll.

„The Young And Defenceless“ (09/2010) nannte sich die vier Tracks umfassende EP, die lediglich als Download verfügbar gemacht wurde und die schroffe Art der Engländer auf ein Neues dezent in den Vordergrund mischen sollte. Mit einem stärkeren Fokus auf Post Hardcore-Elegien gab es einen netten Vorgeschmack auf den neuesten Longplayer „Welcome Home Armageddon“, der im März des folgenden Jahres erscheinen sollte. Damit wären wir im Jetzt angelangt und das erste Instrumental in der Geschichte von Funeral For A Friend („This side of brightness“) schlendert unaufgeregt durch die Boxen, während „Old hymns“ umgehend als Kontrastprogramm in die Bresche springt und sofort an die Phase zwischen dem Debüt und „Hours“ erinnert, als die Waliser noch knackige Uptemposongs im Gepäck hatten, die lediglich einer simplen Songidee entsprangen und anschließend mit viel Herzblut umgesetzt wurden.

Doch Obacht! Bereits das zappelige „Front row seats to the end of the world“ begnügt sich nicht damit in Nostalgie zu schwelgen, sondern springt mit Anlauf und deftigem Shouts mitten ins Gesicht, was „Sixteen“, das bereits auf der Vorgänger-EP enthalten war, mit kleinen Gesten in bester Funeral For A Friend-Manier zu drosseln weiß. Es folgt „Aftertaste“, ein durchschnittlicher Lückenfülller, der „Spinning over the island“ einleitet, welches jedem Fan die Freudentränen in die Augen treiben dürfte, handelt es sich schließlich um ein etwas bockiges, aber dadurch umso nachhaltigeres Stück, das gut und gerne aus der Zeit von „Casually Dressed And Deep In Conversation“ stammen könnte. Dieser nostalgische Ausflug hält mit „Man alive“ noch etwas länger an, allerdings fehlt es dem Song an nötiger Durchschlagskraft. Apropos „kräftig“: Ein schunkeliges Gute Nacht-Lied wie „Owls (are watching)“ wollen wir eigentlich nicht hören, obwohl der ungezügelt-rasante Gestus eines „Damned if you do, dead if you don´t“ (ebenfalls auf der Vorgänger-EP enthalten) nicht unbedingt besser ist.

Leider bringt „Medicated“ nicht den erhofften Aufschwung und die in balladeske Klänge verpackte Wehmut in Davies Stimme kann den Song nicht vor der Skip-Taste retten. Kurz vor Schluss lassen Funeral For A Friend wieder den Aggressionen freien Lauf, was „Broken foundation“ mit wild um sich schlagenden Argumenten unterstreicht, bis der titelgebende Albumender mit mehreren Tempowechseln epische Trageweite suggerieren will, aber auf einen gelungenen Spannungsbogen vergisst. Das klingt unterm Strich alles ziemlich hart und übermäßig kritisch, doch „Welcome Home Armageddon“ hat es sich mit seiner schroffen Gangart nicht anders verdient. Nicht selten hat man nämlich das Gefühl, Funeral For A Friend wollen auf Teufel komm´ raus ein zweites „Casually Dressed And Deep In Conversation“ schreiben, jedoch sind ihnen dafür bei der Hälfte die Ideen ausgegangen. Das Ergebnis: Dermaßen wenige Höhepunkte gab es auf bislang keiner Platte der Waliser und die Beliebigkeit erreicht hier ebenfalls ein Level, das man von Davies & Co. nicht erwartet hätte. Womöglich war dies aber auch nur der lang ersehnte Befreiungsschlag und wir können uns beim nächsten Album wieder auf ein grandioses Machwerk emotionalen Rocks freuen. Verschreien sollte man diese These allerdings nicht!

Anspieltipps:

  • Sixteen
  • Spinning Over The Island
  • Front Row Seats To The End Of The World

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