The Electric - Life Is Moving - Cover
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The Electric Life Is Moving


  • Label: Organically Grown Sounds
  • Laufzeit: 67 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn ein russischer DJ, eine britische Soulsängerin, sowie aufstrebender Rapper aus Chicago zusammen eine Band gründen, dann hört sich das nach einer neuen Supergroup an. Zuletzt haben besonders The Vultures, The Dead Weather oder die Gorillaz gezeigt, dass bei diesen bunten Haufen aus Musikern eine echt gute Mischung herauskommen kann. Entweder besinnt man sich auf Stärken und spielt sie mit Größen der Genre frei aus oder man experimentiert, bis es aus den Boxen qualmt. DJ Vadim, Sabira Jade und MC Pugs Atomz entscheiden sich für eine Mischung aus beidem. Durch drei recht verschiedene Zugänge zur Musikwelt entsteht ein frischer Mix, der zwar keine Weltneuheit darstellt, jedoch mehr Tiefe bietet als das Gros der Konkurrenz im Radio. Ein Experiment kann man „The Electric“ allerdings nur nennen, weil die Musiker sich gegenseitig auf die Stärken der anderen ver- und einlassen. Der MC bleibt durchgehend seinem Rap und HipHop treu und Sabira Jade spielt einzig und allein ihre Stärken im Soul aus. Der DJ mischt dann brav, wie man solche einen Mix vernünftig aufbereitet. Klingt sehr pragmatisch und ist es vielleicht auch, doch wen stört das, wenn das Ergebnis sich hören lassen kann?

Ein wenig zusätzliche Internationalität neben den verschiedenen Herkunftsländern der Musiker ergibt sich aus afrikanischen Beats im ersten Song. Diese gehen neben den eigentlichen Fähigkeiten des Trios allerdings schnell unter. Das Album arbeitet mit guten Melodien. Facettenreicher Rap teilt sich mit modernem Soul die Bühne und wird von DJ Vadim anspruchsvoll präsentiert. Der erste Gedanke mag sein, dass einer der Sänger dem anderen die Show stehlen muss, aber die Gruppe schafft es, die Spotlights unter sich aufzuteilen. Mal möchte man Plugs Atomz in „Running“ noch weitere vier Minuten rappen hören, nur um für Sabiras schöne Stimme sterben zu können, wenn sie „Sometimes“ beinahe im Alleingang trägt. Höhepunkt sind aber natürlich die Nummern, die das Zusammenspiel der beiden Sänger fördern. Das soullastige „I'm All In“ oder ein oldschool-elektronisches „Overloaded“ ist da zu nennen, aber auch in „Electric Company“, welches MC Plugs Atomz als Protagonist im Gesangsbereich auszeichnet zeigt, wie gut der Gesang der beiden mit DJ Vadims Musik harmonieren. Atmosphärisch ein unglaubliches Plus, das das Trio hier herausarbeitet. Auch die Gäste Wes Restless, Yarah Bravo und besonders Abstract Rude fügen sich wunderbar in den Masterplan ein.

Wem Das letzte „echte“ Album der Gorillaz zu poppig schien, der hat endlich eine weitere qualitativ hochwertige Alternative gefunden. Ob es der Soulanteil oder das Gespür Vadims sind, bleibt wohl ein Thema für Experten und Kenner der Szene, aber „Life Is Moving“ schafft es, neben den üblichen Fans des Hip-Hop auch Casual-Fans vor dem Ofen hervorzulocken. Obwohl Rap, Dance, Electro und natürlich Soul alle ihre fairen Anteile auf dem Album erhalten wird man nicht von einer flächendeckenden Vielzahl von Genremischungen erschlagen. Ganz im Gegenteil wirkt das Album sehr homogen, sodass einige Songs ineinanderzufließen scheinen. Wer also nach verschiedenen Ansätzen sucht, wird hier nicht unbedingt fündig. Wer dagegen eine gesunde und frische Mixtur aus oben genannten Stilen sucht, der wir auf „Life Is Moving“ fündig. Aussetzer sucht der mäkelnde Hörer vergebens und positiv eingestellte Hörer, die einfach ihren Spaß haben wollen, werden ebenfalls nicht mit schwerer Kost, sondern mit althergebrachten Zutaten nach neuem Rezept verwöhnt. Den einzigen Fehler, den man mit DJ Vadim und seinen „The Electric“ machen kann, ist sie von vornherein abzulehnen, weil Soul oder HipHop ansonsten nicht das übliche Repertoire der Audiothek daheim ausmachen.

Anspieltipps:

  • Life Is Moving
  • Running
  • Electric Company

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